32. Lagos (P) – Porto
Santo (P)
„Atlantik-Überquerungs-Probe“
Katja: In Lagos war die Marina,
übrigens hochsaisonal spitzenpreisig, mitten im Touristenleben.
Viele Restaurants, Bars und die Altstadt direkt nebenan. Wir
verbrachten schöne Tage mit Birgit und Gerd. Zu den Highlights
gehörten ein Mini-Törn mit MULINE an der felsigen Küste entlang
mit beherzten Sprung in den kalten Atlantik und eine Kayak-Tour, wo
wir nochmal mit eigenen PS entlang und durch die Grotten paddelten.
In Lagos trennten sich unsere Wege nun
erstmal - Birgit und Gerd touren mit ihrem VW-Bus jetzt weiter über´s
Festland. Und wir starteten über´n Atlantik Richtung Madeira. Bei
der Hafenausfahrt ein Ausruf von Emil: „Dahinten! Da schwimmt ein
Fender im Wasser.“ Und tatsächlich, jetzt haben wir wieder einen
mehr, zum Ausgleich für den verlorenen in Lymington. Guter Junge! :)
Draussen auf dem Meer beobachteten wir
ein paar Vögel, die über dem Blinker der ausgeworfenen Angel
kreisten und mit ihren grossen Schnäbeln immer nach unten lugten.
Ich dachte, bitte nicht anbeissen! Hamse nicht, aber auch kein Fisch,
so dass es zum Mittag Gulasch gab, den ich schon in Lagos vorbereitet
hab. Erst danach biss eine recht zierliche Makrele an.
Ca. 22 Uhr. Ich habe viel Zeit – alle
schlafen, ich liege allein in der Plicht, gemütlich an die Kissen
gelehnt auf unserer Matratze, einen Schlafsack bereitgelegt für
später. Und schiebe Nachtwache, die Acht-Zweier. Der Mond leuchtet
schon helle.
Zum Glück hat der Wind wieder
zugelegt. Wunderbar, nach einer Nacht und einem Tag motoren endlich
wieder aus und nur das Boot durch´s Wasser rauschen zu hören.
Leider ging Gerd tags darauf nicht an
sein Handy, als wir ihm per Satellit ein 4stimmiges
Geburtstagsständchen singen wollten.
Heut war der dritte Tag auf See. So
langsam stellt sich schon Routine ein. Selbst bei nächtlichen
Wachen. Noch letzte Nacht habe ich öfter mit dem Schlaf gekämpft
und ein paar Mal verloren, so entsetzlich müde war ich. Gab
natürlich Mecker vom Chef. Zum Glück ist kaum „was los“, nur
den ersten Tag/Nacht mussten wir viel auf Containerfrachter achtgeben
(Verkehrstrennungsgebiet). Schon am zweiten Tag sahen wir nur noch
wenige andere Schiffe (kein Segelboot dabei) und heut noch gar keins.
Dafür – ich zähl mal auf: ein paar Delfine (ein wunderschönes
Bild, wie die Truppe gewandt und schnell unsere Bugbegleiter waren),
einen schwimmenden grösseren Behälter, den wir neugierig
ansteuerten, (hatte wohl ein Fischerboot verloren, ich hoffe, es hing
nicht noch unten dran), ein paar hübsche Thunfische, die irgendwie
unsere Angel nicht entdeckt haben, die wir hinter uns herzogen, ein
paar Schildkröten, die zum Luftholen an die Wasseroberfläche kamen, tuffige Wölkchen am blauen Himmel und wunderschönes knalleblaues Wasser mit Lichtstrahlen, die in die Tiefe gingen.
Zum Nichtsattsehen. Christoph mag jetzt denken, Hä? Er legt den Fokus natürlich mehr auf die technische Seite des Segelns...aber da lief ja nicht so viel, wir hatten Flaute.
Die Nähe zu Afrika war spürbar,
pottenheiss schien die Sonne aufs Deck und im Windschatten war es
kaum aushaltbar. Das Wasser hatte auf unserer Reise noch nie erlebte
sagenhafte 24 Grad. Was Birgit, meine Schwiegermutter, zu der Sorge
trieb, wir könnten Badelust entwickeln. (wegen Haien)
Über Kurzwelle haben wir ein paar
aktuelle Statusmails an unsere Familie geschickt. Bin ja stolz, dass
ich das Funkgerät und Modem des Nachts auch allein bedienen konnte.
Einmal zog Christoph seine Angel ein
mit viel Ach&Krach (er geht übrigens eher so auf grosse Fische,
deshalb auch überdimensionaler Blinker und armdicke Angelsehne), da
schnellte auf den letzten Meter der Blinker samt zwei dicken Haken
wie eine Peitsche durch die Luft an Bord und blieb – Oh grosser
Schreck! – an Tildas Schwimmweste stecken, die das Schauspiel neben
ihm neugierig beobachtete. Sein trockener Kommentar dazu: „Na
besser, als wenn´s oben im Segel hängt.“ :)
Am Horizont entdeckte ich voller Freude
ein anderes Segelboot, was sich aber beim Näherkommen als die
weissen Aufbauten eines grossen Containerschiffes herausstellte.
Mhmmm. Bei den Bedingungen hat sich wohl keine andere Yacht auf den
Weg gemacht.
Unsere Süsswasservorräte erlaubten
uns, an Deck zu duschen und Haare zu waschen. Erst wurde mit
Meerwasser eingeweicht und abgeseift, danach noch einmal mit
Süsswasser abgespült. Sehr erfrischend und ein Gefühl, wie
neugeboren.
Bei der morgendlichen Funkrunde hatten
wir wieder mal seit längerem Kontakt zu Dietmar von der SUMMER und
konnten ein Schwätzchen halten.
Leider ging es auf dem Törn nicht so
richtig vorwärts, was wir aber eigentlich schon wussten, als wir in
Lagos abgelegt haben. Aber wir hatten mal wieder einen Termin. Meine
Eltern und mein Bruder waren inzwischen schon auf Madeira. Wenig bis
gar kein Wind oder Wind von vorne mit Wellen, so dass wir kreuzen
mussten. Das war zwischenzeitlich sehr zermürbend, wenn ich auf dem
Kartenplotter sah, dass wir einen grossen Umweg machen mussten, die
Fahrzeit wieder auf 99:59 Std. sprang (mehr kann die Anzeige nicht)
und aus vorher gesagten vier Tagen (Ralf von der MAL WIEDER hatte es
mit einem Programm für uns ausgerechnet und nannte uns
„Postdampfer“), wurden fünf. Die Ungeduld fuhr mit.
Am vierten Abend haben wir unsere Wache
getauscht, weil wieder etwas mehr Wind war
und Christoph der
Segelerfahrene von uns beiden ist. So ging ich diesmal bei
Sonnenuntergang mit den Kindern schlafen. Am Horizont viele hoch
aufgetürmte Wolken. Christoph band ein Reff ins Segel und ihm war
ein wenig bange wegen Gewitter. Es war dann aber wohl nur
Wetterleuchten. So kann ich ja das Hand-GPS wieder aus dem Herd
holen. :) Wir hofften auf die vorhergesagte Winddrehung nach West,
damit wir Porto Santo anliegen können. Um ein Uhr nachts hatte das
Hoffen ein Ende, der Wind drehte und wir konnten unser Ziel direkt
ansteuern. Jetzt waren es nur noch ca. 50 Seemeilen und 10 Stunden
laut GPS. Juchu! Wir waren wie beflügelt und voller guter Laune.
Festgestellt, unser Backbordbug läuft ca. einen halben bis einen
Knoten besser.
Am Vormittag gegen Neun war dann
endlich Land in Sicht! Die hohen Berge von Madeira, wie wir dachten.
Später stellte sich heraus, es waren die von Porto Santo. Einen
Regenbogen gabs auch noch dazu und als wir uns der Insel noch weiter
näherten, Spaghetti alio e olio und viele lustige Delfine.
Mein Fazit: Ich bin ein wenig stolz,
dass wir diese kleine Steigerung auch wieder so gut gemeistert haben
(„So schlimm war es ja gar nicht.“) und denke, wir haben das
Beste draus gemacht. Mein weiser Skipper hat die optimalen
Entscheidungen getroffen. Wir haben wieder einiges gelernt, wie z.B.
das es eine stromsparende Radareinstellung gibt, die nur alle 15 min
scannt. So konnte man sich den Wecker bei der Nachtwache alle 15 min
stellen (was sehr half bei starkem Schlafverlocken). Oder unseren
Wasser und Obstverbrauch beobachtet. (Zum Schluss hatten wir nur noch
ein paar Zitronen im Netz.) Die Kinder sind an die Umstände sehr gut
gewöhnt und „verhalten sich völlig normal“. Und wir hatten wie
immer Glück, keine extremen Bedingungen zu erleben.
Foto Nr. 11 ist wieder so ein Jahrhundertfoto ;)
AntwortenLöschenund Nummer 9 der absolute Gegensatz: Stille und endlose Weite.. schön!