Mittwoch, 21. Januar 2015

43. Union Island – Tobago Cays – Union Island – Carriacau (Tyrrel Bay) – Grenada (Prickly Bay)
Der Schöne und das Bier (Christoph) - ein verhinderter Bäckermeister – Leben auf der Werft„

Wir haben zu Verproviantierungszwecken und zum Ausklarieren noch zwei mal unseren Anker in Clifton Bay auf Union Island geworfen. Es gab ein lustiges spontanes Sit-In bei uns an Bord mit der wiedergetroffenen DELPHIA-Familie und GHOST und natürlich PAROYA – summasummarum sieben Erwachsene und sieben Kinder. Ein Apero mit zusammengelegten Leckereien und Christophs erstem selbstgebackenem Brot. Das gab ein grosses Hallo für den stolzen Käptn.
Er hat sich zum Bäckermeister gemausert – auch seine Frühstücksbrötchen sind ein Genuss. Und auch an der perfekten Joghurtzubereitung übt er sich fleissig. Neue Talente sag ich mal.... ;)

Emil und ich sind wegen einer kleinen, zum Glück wenig schmerzhaften Ohrentzündung (Swimmers Ear bzw. Otitis externa) zum lokalen Krankenhaus gefahren und haben uns versorgen lassen, während Christoph am Steg mit Hilfe Einheimischer den Aussenborder vom Schlauchboot wieder in die Gänge brachte. (das Benzin war unrein und hat irgendeine Leitung verstopft)

Unser nächstes Ziel gleich „um die Ecke“ - die Tobago Cays waren wirklich paradiesisch. Nach einer für uns noch ungewohnten Riffpassage (man konnte von weitem schon die Wellenbrecher links und rechts der Einfahrt sehen, Christoph war dementsprechend angespannt) ankerten wir inmitten kleiner Inseln, alle mit einem feinen weissen Sandstrand versehen.

Reefbreak
Das Wasser war nochmal eine Nummer kristallklarer und verschieden türkis nuanciert. Schildkröten zogen ihre Kreise um uns.
Allerdings lag man dort auch recht ungeschützt und mitten im Wind, aber an solch Bedingungen waren wir schon gewöhnt und unserem Fortress-Anker, den wir inzwischen immer benutzen (der Bruce wurde ausgetauscht, der hielt nicht so zuverlässig) können wir sehr gut vertrauen.

Nach zwei Ankernächten auf Carriacau in der Tyrrel Bay ging es weiter, ein kurzer Schlag nach Grenada, unserem geplanten südlichsten Ziel unserer Reise. Immer noch zusammen mit PAROYA.

Kurz vor dem Einlaufen in die Prickly Bay sahen wir voraus eine dunkle Regenfront auf uns zu kommen. Ich hatte gerade noch die Zeit, das Grosssegel runterzuholen, da schüttete es schon wie aus Eimern. Die Sicht reduzierte sich plötzlich auf ca. 50 Meter. So einen heftigen Schauer hatten wir bis dato noch nicht erlebt.
Wir hatten wir ein paar Regentage und sahen schon unseren Plan, das Schiff zu streichen, förmlich ins Wasser fallen. Aber pünktlich zum Einsatzbeginn liess sich wieder zuverlässig die Sonne blicken und wir schwitzen wieder wie eh und je. Das hauptsächlich nächtliche ewige Luken auf, Luken zu konnte so ja auch nicht weitergehen.

Bei uns hat das Haupt-Small-Talk-Experten-Thema Ankertyp zu Antifoulingfarbtypen gewechselt. Denn – wir liegen jetzt in der Spice Island Marina, einer Werft im Süden Grenadas um den Unterwasseranstrich erneuern zu lassen.
Als wir vor fünf Tagen vom Kran aus dem Wasser gehoben wurden, sah unser Unterwasserschiff schon sehr grün bewachsen aus.
Mit viel Schleifen, Putzen und drei Farbschichten haben wir die Arbeit erledigt - MULINE hat jetzt eine schicke himmelblaue Unterhose an. Eigentlich auch nix anderes als ein Frühjahrsputz im „normalen“ Zuhause.
Wir wohnen weiterhin auf unserem Boot, das jetzt mittels einer langen Leiter zu erklimmen ist (die Kinder bewegen sich darauf erstaunlich sicher) und auch unseren Automatismus, organische Abfälle einfach über Bord zu werfen müssen wir etwas zügeln.
Das Werftgelände – anfangs von mir mit Grausen beäugt ob der tausend lauernden Gefahren (rostige Nägel, Holzbretter mit Splittern, aus dem Boden schauende Drahtschlingen, lauter giftige Farben etc.) entpuppt sich mittlerweile als spannender Abenteuerspielplatz für die Lütten.




Das Leben auf der Werft ist so schlecht gar nicht, sehr sozial mit viel Gemeinschaftssinn, zumal wir PAROYA als Nachbarn haben (auch deren Unterwasseranstrich war fällig) und noch eine nette Familie mit Katamaran, auf dessen Netz die Kinder fröhlich juchzend Trampolin springen. Und um die Ecke gibt es ein Restaurant mit absolut köstlicher Pizza. Emil darf vormittags mit Yannick und Patrizia von PAROYA Schule machen (heisst er schreibt ein Blatt voll Emil, Emli und Eiml oder malt). Er ist immer so aufgeregt, dass er schon eine Stunde vorher mit aufgeschnalltem Rucksack in der Nähe lauert, dass es losgeht.
Schule
Und spontane Baustellen-Aperos mit Rogers Petromaxx als Beleuchtung und Kabeltrommeln als Tische und Holzscheiten als Sitzgelegenheiten machen auch viel Spass.

Morgen wollen wir eine Inseltour machen, haben wir doch bisher noch nicht viel gesehen von Grenada. Und am Tag darauf werden wir wieder zu Wasser gelassen.

Ein Kaufinteressent, Robert aus der Schweiz ist inzwischen hier angekommen und wird uns für ein paar Tage begleiten. Komischerweise fiel mir gestern abend auf einmal auf, wie schön es hier duftet, die exotischen Geräusche höre und die Wärme fühlte ich viel intensiver – wahrscheinlich ist durch einen Verkauf von MULINE die Endlichkeit der Reise greifbar geworden. Aber ich habe mich schon längst wieder entspannt. Wir haben noch so viel Zeit vor uns. :)

Kommentare:

  1. Endlich wieder einmal ein Bericht. Es wurde auch Zeit. Die vielen Leser des Blogs wünschen sich mehr davon.
    Gruß Papa, Andreas

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  2. Katja, Du hast wieder sehr plastisch geschrieben, sodass es Spaß macht, Eure Abenteuer zu verfolgen. Aber auch Robert wird mir durch seinen begeisterten Bericht und die so treffende Beschreibung der Crew sehr sympathisch. M./B./Gr.

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