Sonntag, 12. Oktober 2014

35. La Gomera – Teneriffa – Gran Canaria
"Optische Bootsarbeiten, ein lästiger Virus und Familien-Besuch"

La Gomera war schon nicht mehr so grün wie La Palma, unsere erste kanarische Insel. Hätte ich mir anders vorgestellt. Allerdings haben wir den Norden der Insel nicht gesehen. Wir sind einen Tag in den Bus gesprungen und haben uns auf die andere, die Westseite, nach Valle Gran Rey, dem legendären Hippie-Aussteiger-Paradies gemacht. Im Fischerhafen schauten wir von der Pier ins Wasser und entdeckten nach und nach im dunklen Sand in knietiefem Wasser, am Rande des Badestrandes, unzählige Augenpaare auf dem Grund. Ab und zu konnten wir auch beobachten, wie einer der ca. 1m grossen, grauen Rochen, denen die Augen gehörten, sich sanft in Bewegung setzte und ein Stück weiter flog und wieder einbuddelte.
Ein beeindruckendes Schauspiel. Der Skipper wollte für uns die Fische aufschrecken, traute sich aber nicht so richtig ran. Aber er wird ja auch noch dringend gebraucht an Bord.
Die Rückfahrt im klimatisierten Bus war wohl der Auslöser dafür, dass Matilda sich etwas später einen schönen Schnupfenvirus eingefangen hat. Wir waren nämlich noch etwas feucht, weil wir gleich nach dem Baden direktement wieder in den Bus nach San Sebastian gesprungen sind.
Zurück am Steg wurde gerade grosszügig der dicke Fang einer Angler-Yacht an die Nachbarboote verteilt. So auch an uns – wir erhielten, nachdem unsere zwei kleinen Mitesser in Augenschein genommen worden sind, ein paar schöne Stücke eines Wahoo (welch wohlklingend tropischer Name), von dem wir zwei Tage lang essen konnten. Einmal mit Zitrone gebraten, den nächsten Tag als Fischcurry. Es geht doch nix über frischen Fisch.
Emil schwimmt jetzt mit nur noch einem Element in seinem Schwimmgürtel. Wir sind stolz auf unseren Wasserfloh.
Endlich haben wir eine Idee für den Bug unserer Muline. Ein Muli sollte es sein, in Anlehnung an unseren Bootsnamen. Und zweite Bedeutung wäre: Matilda. Nicht selten kommt es vor, dass sie unterwegs beschliesst, keinen Schritt mehr vorwärts zu machen, sich sogar noch wegzudrehen und unser Bitten, Flehen und Drohen gar nicht mehr zu beachten. Muss sie uns später mal erklären, was es damit auf sich hat. Ich habe in einem Copyshop meine Zeichnung abgegeben und zwei Aufkleber drucken lassen.

Dann haben wir noch bei einem Segelmacher den Bootsnamen gut sichtbar auf die blauen Planen an der Seite nähen lassen. So kann jetzt jeder unseren Namen erkennen, nicht nur von hinten. Die Kreativität reichte gar noch aus, die Abdeckung unseres niegelnagelneu glänzenden Aussenborders blau weiss zu streif/chen. Bilden wir uns doch ein, potenzielle Diebe in der Karibik ein wenig abzuschrecken.
Wir haben eine andere deutsche Familie kennengelernt, die mit ihrem beeindruckend grossen Boot und VIER Kindern, eins davon noch im Krabbelalter, auf dem Weg in die weite Welt sind. Und als Gegensatz dazu ein sehr junges norwegisches Päärchen mit ihrer SPINNVILL. Den letzten Abend, nachdem alle Kinder ins Bett verbracht worden sind, sassen wir gemütlich mit Snorre & Ingunn (die Norweger) bei Natalja und Thomas von der OUTER RIM (die grosse Familie). Inzwischen hat sich der Schnupfen in unserer Familie locker weiterverbreitet. Nur Emil hat tapfer alle Bazillen weggeniest. Es war übrigens das erste Mal, seitdem wir auf Reisen sind, dass wir gesundheitlich ein wenig angeschlagen waren.

Weiter ging es am nächsten Tag, schon wieder Termine. Ganz in alter Postdampfermanier legten wir vormittags ab und machten uns auf den Weg nach Teneriffa, wo wir dann Hannes, Christophs Bruder und seine Freundin Lana treffen wollten. Aufgeklärt über die Windbeschleunigungszonen um die Insel starteten wir mit zwei Reffs im Gross. Nach ein paar Seemeilen konnten wir sie wieder rausnehmen, der Wind hatte sich gelegt, so dass wir auch wieder einmal unseren Motor zu Hilfe nahmen. Und kurz vor der Küste Teneriffas kam wieder eine stramme Brise, nur zu schade, dass der Wind von vorne kam, so dass wir die letzten 4 Seemeilen noch kreuzen mussten. Nach ca. 8 Stunden waren wir froh ob unserer Angeschlagenheit (Schnupfen), in der Marina von La Galheta anzukommen, wo sich herausstellte, dass alle Boote mit dem Heck zum Steg festmacht sind. Eine völlig neue Übung für uns, bis jetzt konnten wir immer längsseits anlegen. Dazu noch eine äusserst enge Parklücke, in die uns der Marinero einwinkte. Aber Hut ab, Christoph und Muline schaukelten die Sache optimal. Natürlich nicht ohne mein „Leinen-Engagement“. Wieder eine gute Erfahrung gesammelt.
Am nächsten Tag nahmen wir Hannes & Lana, die direkt mit dem Taxi vom Flughafen kamen, mit ihren Taschen auf der Hafenmole in Empfang. Was für eine Freude. Für eine kurze Woche begleiten sie uns an Bord.

Kommentare:

  1. Emil, Du Teufelskerl! Opa Micha und Oma Inge sind wahnsinnig stolz auf Dich!!!

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  2. Liebe Segler, heute meldet sich mal wieder die Patentante Stine zu Wort. Ich freue mich jedes Mal über eure so lustig geschilderten Reiseberichte und die herrlichen Fotos aus der weiten Seewelt. Und ganz besonders erfreulich finde ich die positiven Erfahrungen, die ihr macht, nachdem wir zur Elterngeneration gehörenden älteren Leute doch auch eher skeptisch und besorgt die Vorbereitungen verfolgt hatten. Toi, toi, toi für die weitere Tour, und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel! Viel Glück wünschen Dieter & Stine

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