Samstag, 25. Oktober 2014

36. La Galheta – Güimar – Santa Cruz de Teneriffe – Las Palmas (Gran Canaria)
Juhu - Das kleine Brüderlein und Lana sind mit von der Partie, Kaki-Alarm und erstes ARC-Feeling“

Nach einem gemeinsamen Nachmittag Müßiggang, hieß es am nächsten Morgen bei 4 – 5 Windstärken aus Nord-Ost auf geht’s es Richtung Nord-Ost der Küste von Teneriffa entlang genau im Bereich der berüchtigten Acceleration Zone. Bei nur einer Woche Urlaub für meinen Bruder Hannes und seiner Geliebten Lana auf den Canaren blieb nicht viel Zeit um Zeit zu verlieren. Um die Kreuz ein wenig zu beschleunigen, zumal unsere geliebte Muline mit max. ca. 60° am Wind alles andere als ein Kreuzwunder ist, liessen wir die Fock eingerollt und bolzten mit Motor und Unterstützung vom Gross gegen die Wellen an. (Anmerkung Katja: Lieber Gerd, wir sind quasi richtig „gebügelt“.) Dieses Gebolze bekam nicht allen zur Freude der umliegenden Fische. 
Das ist nur ein normales Nickerchen. 
Am frühen Nachmittag hatten wir dann alle genug vom Motorsegeln und fuhren in dem vom Club Nautico betriebenen Privathafen Güimar ein, der eigentlich nur den Club-Mitgliedern vorbehalten ist. So kam dann auch kurz nach dem Anlegen vom Hafenmeister und dann über den Nachmittag verteilt von Stegnachbarn und anderen immer wieder die Frage, welche Art von Havarie wir denn eigentlich hätten. „Keine Lust bei diesem Wind weiter gegenan und das mit den Kindern“ reichte für die Akzeptanz vom Hafenmeister und eine ein gebührenfreie Übernachtung.
Um die Geduld des Club Nautico mit unserer Anwesenheit nicht überzustrapazieren, machten wir uns nächsten Morgen auf Richtung Santa Cruz de Tenerife. Der Wind hatte am Vortag seine Puste verloren, so dass diesmal ohne Motor nix ging mit Ausnahme einer kleinen Badeeinlage kurz von Santa Cruz. 
 
In Santa Cruz angekommen vertrieben wir uns die Zeit, mit Sightseeing im Zuge einer Inselrundfahrt, 
Shoppen (Die Frauen waren plötzlich weg und kamen gut angehübscht kurz nach dem Schlafen gehen), Shoppen (Der Kapitano war mehrfach plötzlich weg um seinem aktuellen Lieblingshobby, das Durchstöbern von Segelläden nach nützlich und unnützen Schnäppchen, zu frönen), Shoppen (Der Proviant der Muline war nahezu weg, so dass wir den Mietwagen und die Angebote eines deutschen Discounters nutzten). Zwischendurch trafen wir auf unserem Steg noch Jaroslav, mit dem wir kurz vor unserer Abreise in Stralsund zusammen auf der Dinse-Werft lagen. Er war mit seinem Zweimaster aus Holz einen Monat nach uns aufgebrochen und lag nun wieder neben uns.
Nach zwei Tagen ging es weiter in eine kleine Ankerbucht ca. 10 Seemeilen nördlich von Santa Cruz. Dort verbrachten wir eine Nacht. Der Schwell in der Bucht machte mich darauf aufmerksam, dass meine „Loses-Kabel-im-Mast-Entklapperungsaktion“ von Santa Cruz de la Palma nicht so erfolgreich war wie gehofft.

Ich übernehme, sonst wird das nie was! Der nachfolgende Text ist nämlich schon fertig.
Pünktlich zum Abendessen, es gab leckere Scampis mit Curry-Risotto und unser Boot war vollgestellt und -besetzt, kam der spanische Zoll an Bord für eine Routine-Kontrolle. Die dann auch nur eine Routine-Befragung des Skippers war.
Hannes und Lana schwammen zum Strand, während wir mit dem Schlauchboot übersetzten. 

Der war so schön trotz dunklem Sand, dass ich mich fotografisch kaum lösen konnte. Die Kinder tobten im schimmernden Sand (ja, schwarzer!) umher, Hannes & Lana erklommen actiondurstig einen Hügel und als es dämmerte, sind wir alle wieder an Bord gegangen.
              Wie schon die Abende zuvor verwandelten wir die Plicht in eine UNO- und Rummycub-Spielhölle.




Noch vor dem Frühstück wurde der Anker gehoben und Kurs Richtung Las Palmas de Gran Canaria genommen. Wieder konnten wir keine schöne Segel-Action bieten, es herrschte Flaute. Trotzdem hatten wir Spass beim Wale entdecken und es wurde vom Skipper ein Cuba Libre an Deck serviert.
Neues Hobby von Emil: Hornhechte kneten

In der grossen Marina von Las Palmas wehten schon viele ARC-Flaggen. Da fühlte ich, die Zeit der Überquerung rückt näher. Uns sprachen deutsche Bootsnachbarn an, die mit uns im Artikel der Yacht-Zeitschrift erwähnt worden sind.
An unserem letzten Abend, nach einem lustigen Abend in einer Bootsnahen Bar sassen wir noch kurz an Deck. Ich wollte so nebenbei einen grossen Krümel vom Deck fegen, als der sich zwischen meinen Fingern bewegte. Super! Unsere erste Kakerlake an Bord. Zum Glück griff Hannes beherzt zu und beförderte sie ins Wasser.
Nächsten Morgen früh um Sieben kam das Taxi, Hannes und Lana zum Flughafen abzuholen. Die Woche ging ratzifatz vorbei.
Nach ausgefüllten Tagen mit Besuch von Hannes & Lana ohne Blog-Schreibe-Zeit und darauffolgenden 10 Tagen vor Anker auf Fuerteventura OHNE Internet (man stelle sich vor!), gibts in den nächsten Tagen wieder geballte Neuigkeiten... Wir sind jetzt wieder in Gran Canaria in Las Palmas, dem "Abflughafen" übern Atlantik.

Sonntag, 12. Oktober 2014

35. La Gomera – Teneriffa – Gran Canaria
"Optische Bootsarbeiten, ein lästiger Virus und Familien-Besuch"

La Gomera war schon nicht mehr so grün wie La Palma, unsere erste kanarische Insel. Hätte ich mir anders vorgestellt. Allerdings haben wir den Norden der Insel nicht gesehen. Wir sind einen Tag in den Bus gesprungen und haben uns auf die andere, die Westseite, nach Valle Gran Rey, dem legendären Hippie-Aussteiger-Paradies gemacht. Im Fischerhafen schauten wir von der Pier ins Wasser und entdeckten nach und nach im dunklen Sand in knietiefem Wasser, am Rande des Badestrandes, unzählige Augenpaare auf dem Grund. Ab und zu konnten wir auch beobachten, wie einer der ca. 1m grossen, grauen Rochen, denen die Augen gehörten, sich sanft in Bewegung setzte und ein Stück weiter flog und wieder einbuddelte.
Ein beeindruckendes Schauspiel. Der Skipper wollte für uns die Fische aufschrecken, traute sich aber nicht so richtig ran. Aber er wird ja auch noch dringend gebraucht an Bord.
Die Rückfahrt im klimatisierten Bus war wohl der Auslöser dafür, dass Matilda sich etwas später einen schönen Schnupfenvirus eingefangen hat. Wir waren nämlich noch etwas feucht, weil wir gleich nach dem Baden direktement wieder in den Bus nach San Sebastian gesprungen sind.
Zurück am Steg wurde gerade grosszügig der dicke Fang einer Angler-Yacht an die Nachbarboote verteilt. So auch an uns – wir erhielten, nachdem unsere zwei kleinen Mitesser in Augenschein genommen worden sind, ein paar schöne Stücke eines Wahoo (welch wohlklingend tropischer Name), von dem wir zwei Tage lang essen konnten. Einmal mit Zitrone gebraten, den nächsten Tag als Fischcurry. Es geht doch nix über frischen Fisch.
Emil schwimmt jetzt mit nur noch einem Element in seinem Schwimmgürtel. Wir sind stolz auf unseren Wasserfloh.
Endlich haben wir eine Idee für den Bug unserer Muline. Ein Muli sollte es sein, in Anlehnung an unseren Bootsnamen. Und zweite Bedeutung wäre: Matilda. Nicht selten kommt es vor, dass sie unterwegs beschliesst, keinen Schritt mehr vorwärts zu machen, sich sogar noch wegzudrehen und unser Bitten, Flehen und Drohen gar nicht mehr zu beachten. Muss sie uns später mal erklären, was es damit auf sich hat. Ich habe in einem Copyshop meine Zeichnung abgegeben und zwei Aufkleber drucken lassen.

Dann haben wir noch bei einem Segelmacher den Bootsnamen gut sichtbar auf die blauen Planen an der Seite nähen lassen. So kann jetzt jeder unseren Namen erkennen, nicht nur von hinten. Die Kreativität reichte gar noch aus, die Abdeckung unseres niegelnagelneu glänzenden Aussenborders blau weiss zu streif/chen. Bilden wir uns doch ein, potenzielle Diebe in der Karibik ein wenig abzuschrecken.
Wir haben eine andere deutsche Familie kennengelernt, die mit ihrem beeindruckend grossen Boot und VIER Kindern, eins davon noch im Krabbelalter, auf dem Weg in die weite Welt sind. Und als Gegensatz dazu ein sehr junges norwegisches Päärchen mit ihrer SPINNVILL. Den letzten Abend, nachdem alle Kinder ins Bett verbracht worden sind, sassen wir gemütlich mit Snorre & Ingunn (die Norweger) bei Natalja und Thomas von der OUTER RIM (die grosse Familie). Inzwischen hat sich der Schnupfen in unserer Familie locker weiterverbreitet. Nur Emil hat tapfer alle Bazillen weggeniest. Es war übrigens das erste Mal, seitdem wir auf Reisen sind, dass wir gesundheitlich ein wenig angeschlagen waren.

Weiter ging es am nächsten Tag, schon wieder Termine. Ganz in alter Postdampfermanier legten wir vormittags ab und machten uns auf den Weg nach Teneriffa, wo wir dann Hannes, Christophs Bruder und seine Freundin Lana treffen wollten. Aufgeklärt über die Windbeschleunigungszonen um die Insel starteten wir mit zwei Reffs im Gross. Nach ein paar Seemeilen konnten wir sie wieder rausnehmen, der Wind hatte sich gelegt, so dass wir auch wieder einmal unseren Motor zu Hilfe nahmen. Und kurz vor der Küste Teneriffas kam wieder eine stramme Brise, nur zu schade, dass der Wind von vorne kam, so dass wir die letzten 4 Seemeilen noch kreuzen mussten. Nach ca. 8 Stunden waren wir froh ob unserer Angeschlagenheit (Schnupfen), in der Marina von La Galheta anzukommen, wo sich herausstellte, dass alle Boote mit dem Heck zum Steg festmacht sind. Eine völlig neue Übung für uns, bis jetzt konnten wir immer längsseits anlegen. Dazu noch eine äusserst enge Parklücke, in die uns der Marinero einwinkte. Aber Hut ab, Christoph und Muline schaukelten die Sache optimal. Natürlich nicht ohne mein „Leinen-Engagement“. Wieder eine gute Erfahrung gesammelt.
Am nächsten Tag nahmen wir Hannes & Lana, die direkt mit dem Taxi vom Flughafen kamen, mit ihren Taschen auf der Hafenmole in Empfang. Was für eine Freude. Für eine kurze Woche begleiten sie uns an Bord.

Freitag, 3. Oktober 2014

34. Funchal - La Palma - La Gomera
"Auf zu den Kanaren"


Die Marina in Funchal war etwas heruntergekommen und dadurch, dass nur wenige andere Gastsegler da waren, ergaben sich kaum neue Bekanntschaften oder Steg-Schnacks. Wir genossen alle die gemeinsame Zeit mit meinen Eltern, die ganz in der Nähe der Marina ihr Hotel hatten. Neben schon erwähnten schönen Ausflügen nutzten wir auch das ein oder andere Mal ihren Hotelpool auf dem Dach, wenn es allzu heiss war.

Nachdem meine Eltern Funchal den Rücken gekehrt haben, haben auch wir unsere Segel gelichtet, nein gestrichen und uns auf den Weg gemacht. Da nicht viel Wind angesagt war, dachten wir, fahren wir einen Hafen weiter, nach Calheta. Noch nicht gleich rüber zu den Kanaren. Als dann eine kleine Brise kam, nahmen wir, optimistisch wie eh&je, doch wagemutig Kurs auf La Palma. Zur Verabschiedung zeigten sich am Horizont die schwarzen Rückenflossen von ein paar Walen. Um Madeira gibt es schon eine Menge Getier im Wasser, nicht umsonst die tausend Buden im Hafen, die allerlei Touren von Whale-Watching bis Big Game Fishing anbieten.

Für die Überfahrt von 230 Seemeilen brauchten wir ca. 55 Stunden. Wie wir es schon gewohnt sind, erstmal fast einen ganzen Tag mit Motor, weil der Wind dann doch zu schwach war bzw. wir zu ungeduldig zum Dümpeln, dann aber den Rest glücklich unter Segeln.
Der Atlantik schaukelte uns sanft mit seinen langen Wellen. Madeira war noch lange achteraus zu sehen, dann als es dunkel wurden die Lichter der Insel. Ansonsten gab es keine besonderen Vorkommnisse, wir segelten gemütlich vor dem Wind Schmetterling, heisst, das Vorsegel zur einen Seite ausgebaumt, das Gross auf der anderen und liessen uns vom Wind nach La Palma schieben.

In der supermodernen sauberen Marina in der Hauptstadt Santa Cruz lagen nur wenige andere Segler, vermutlich wegen seines Rufs, nicht der geschützteste zu sein und dass bei bestimmter Windrichtung starker Schwell aufträte, der sogar Poller aus der Verankerung der Stege reisst. Wir hatten Glück und nur ein wenig davon. Wir blieben ein paar Tage und nahmen uns ein wenig Zeit für die Insel und natürlich auch für MULINE. Zum einen haben wir ein lästiges, nachtschlafstörendes Kabelgeklapper im Mast
behoben, während die Kinder im beaufsichtigten Marina-eigenen Indoor-Spielplatz tobten.
Wenn mal was ins Wasser fällt ... im Hafen

Ausserdem hat Christoph den Autopiloten, eins unserer wichtigsten Babies, zum Warten auseinander- und wieder zusammengebaut. Dann haben wir, angefixt von den Touren in Madeira, für zwei Tage ein Auto ausgeliehen. Sehr billig, für 25 Euro am Tag und nicht das kleinste. Das kann man sich mal leisten.
Zumal wir so den riesigen Vulkankrater im Inselinnern und die jungen Dinger von 1971 an der Südküste (bei Vulkanen kann man das so sagen), ein schönes Meeres-Schwimmbecken besuchen, ja eigentlich die ganze Insel abklappern konnten. Und dazu noch einen Grosseinkauf in einem Lebensmitteldiscounter.

So gut gerüstet, machten wir uns nach fünf Tagen wieder auf den Weg, zur nächsten kanarischen Insel, La Gomera. Unterwegs lasen wir im frisch geschenkt bekommenen kopierten Hafenhandbuch Canary Islands, dass man üblicherweise die Inseln genau von der anderen Seite her, also von Ost nach West aufrollt wegen der dort vorherrschenden Winde. Nun ja, zu spät, wir versuchen eben unseren eigenen Weg. Zum anderen stand dort auch etwas über sogenannte Acceleration-Zones um die Inseln. Heisst, dort könne der Wind innerhalb von hundert Metern einfach mal auf oder um 25 Knoten auffrischen. (Das konnten wir nicht 100%ig übersetzen.) Auf jeden Fall - Obacht! Zur Sicherheit segelten wir mit einem Reff im Gross und unter besonders achtsamer Beobachtung des Wassers ringsherum. Nur die Kinder waren wieder tiefenentspannt und malten und bauten Klammerboote, dass jeder Bootsbauer neidisch werden könnte.
Aber nüschte, wir liefen wieder sicher und sanft in unseren neuen Hafen auf La Gomera, San Sebastian ein.













Montag, 29. September 2014

(Groß/Schwieger)-Eltern Inge und Micha
"Es war wie immer - anstrengend, aber schön!"

Als wir zum ersten Mal von den Plänen unserer Kinder hörten, ihr bisheriges "geordnetes" Leben für anderthalb Jahre zu unterbrechen und zusammen mit den Enkeln einen Segeltörn in die Karibik zu unternehmen, waren wir sehr skeptisch. Vor allem schienen uns die Enkel noch absolut zu jung für ein solches Unternehmen. Emil war zu Beginn 3 1/2 Jahre, Matilda 2 Jahre alt. Doch auf alle von uns geäußerten Zweifel und Einwände hatten die beiden sofort eine überzeugte (nicht: uns überzeugende!) Antwort parat. Unser Fazit war so wie zu anderen Anlässen früher auch: "Das haben sie sich gut überlegt. Wir würden das anders oder gar nicht machen, aber da mischen wir uns nicht ein."

Neugierig waren wir aber doch. Unsere Idee war ein Treffen mit den vieren auf Madeira. Auf dieser traumhaften Insel hatten wir schon mehrmals schöne Urlaube verbracht. Da die Segler aber auf dem Kontinent herumbummelten und ihrem ursprünglichen Zeitplan ziemlich hinterhinkten, wurde das zur Verfügung stehende Zeitfenster immer kleiner. Auf den letzten Drücker hat es dann doch geklappt. Hoch lebe das Internet mit all seinen organisatorischen Möglichkeiten!

Wir haben die Seglerfamilie an drei Anker- bzw. Liegeplätzen erlebt und einige halbe oder ganze Tage mit allen oder mit den Enkeln allein verbracht. 



Die Enkel hatten wir einmal ganz für uns, als die Eltern die schwierige Fahrt von Machico nach Funchal bei starkem Gegenwind absolvierten.
See-Test: Finde die Muline!
Ein andermal hatten wir ihnen an einem Regentag eine Wanderung auf dem ausgesetzten felsigen "Pfad des Schreckens" an der steilen Nordküste empfohlen. Sie kamen am Abend zwar durchnäßt, aber gesund und munter zurück. Ein besonderes Highlight war der Ausflug ins Landesinnere mit dem krönenden Abschluß, der "Männertour" (3 Generationen!) auf den höchsten Berg Madeiras, den Pico Ruivo mit 1862 Metern.

Wir können uns nun ein Urteil erlauben: Die Reise unter diesen besonderen Umständen hat den Enkeln nicht geschadet. Sie haben sich gut entwickelt und in den vergangenen 3 1/2 Monaten tolle sprachliche und körperliche Fortschritte gemacht - Emil geht voran und Matilda eifert ihm buchstäblich in allen Belangen nach. Es ist eine helle Freude, mit den beiden zu reden, zu wandern oder zu schwimmen. Es war wie immer - anstrengend, aber schön!

Ein Vergleich mit dem bisherigen Leben an Land wäre müßig, weil spekulativ. Sicher gibt es Situationen, in denen der Zwang regiert - aber viel mehr wiegen wohl die gemeinsamen Erlebnisse. Sehr gut war die bisherige Etappenplanung mit langsam steigenden Anforderungen, sowohl für den Käpt'n als auch für aktive Mannschaft und passive Mitsegler. Trotz bester Vorbereitung bleibt natürlich - ähnlich wie beim Bergsteigen - ein kleines Restrisiko. Kann man es beziffern? Zum Glück - nein.

Wir sind uns einig: Unser Ding ist es nicht, für viele Tage mit all den Einschränkungen in Bezug auf Ausstattung und Versorgung auf solch kleinem Raum zu leben. Schon wenige Stunden an Bord in der engen Plicht führen bei uns zu kleinen klaustrophobischen Anfällen. Vielleicht hätten wir zu einem Zeitpunkt, als wir noch aufnahmebereit und lernfähig waren und offen für Neues, mit der Materie in Berührung kommen sollen... So hat es uns auch nicht groß geschmerzt, daß sich keine Gelegenheit zu einer kleinen Probefahrt ergeben hat.

Wir wünschen der Muline-Crew alles Gute für die paar noch vor ihnen liegenden Seemeilen!

Freitag, 26. September 2014

33. Porto Santo – Machico – Funchal

Nach ein paar Tagen Abgeschiedenheit auf der Badeinsel der Madeiren hiess es Leine los Richtung Madeira, nicht zuletzt auch deswegen, weil die Grosseltern der Lütten dort auf uns warteten.
Dumm war nur, dass alle Häfen auf Madeira voll waren, wie wir es vorher am Telefon erfahren mussten. Irgendeine Nudeltopfregatta von den Kanaren machte es uns, dem gemütlichen Fahrtensegler, das Leben schwer (Hier ein kurzer Gruß an meine ehemaligen Regattafreunde :-)) Aber was solls, wofür haben wir denn den Anker. Unser Ziel war Machico, eine grosse Ankerbucht mit einem kleinen Fischerhafen. Seglerfreund Ralf von der SY Malwieder erwähnte vorher, dass er beim Vorbeisegeln den einen oder anderen Segler dort schon mal ankern gesehen hätte und ihm aber nur schon vom Zusehen seekrank wurde und es auch keiner dort lange ausgehalten hat. Nichtsdestotrotz wir folgten dem Ruf der Familie, wobei der Skipper mal wieder Muffengang hatte, dass die Fahrt umsonst war und wir wieder zurücksegeln mussten. (Anm. Katja: Ach ja? Erfahr ich erst jetzt... wobei: den Skippermuffengang im Allgemeinen kenne ich schon gut.)
Die Überfahrt war problemlos. In Machico angekommen, fuhren wir erst einmal in den kleinen Fischerhafen. Dort gestikulierte uns ein Fischer aus Horta von den Azoren, dass wir bei ihm längsseits gehen könnten. Schwuppsdiwupps lagen wir zwischen ihm und seinem Beiboot. Nachdem alle Leinen fest waren und der Fischer mit dem Daumen hoch zu uns rübergrinste, überlegte sich der launische Skipper, dass ihm dieser Platz doch nicht so genehm wäre und er doch lieber vor Anker liegen würde. Also Leinen wieder los und dem Fischer noch schnell ein Blechbrötchen als Entschuldigung in die Daumenhochhand.
In der Ankerbucht lagen bereits zwei Segler in trauter Zweisamkeit. Warum lange überlegen, wo der beste Ankerplatz ist, dass haben die anderen beiden bestimmt schon gemacht. Wir machen sicher nix falsch, wenn wir uns in die Mitte legen. So dann auch geschehen, und unsere Kinder sind ja eigentlich ziemlich leise, wenn sie wollen. Ein dänisches Pärchen, die wir bereits in Porto Santo kennengelernt hatten, taten es uns gleich und gingen bei uns fast längsseits. Obwohl es ein bisschen gewackelt hat, lagen wir in Machico ganz gut vor Anker. Wir verbrachten ein paar entspannte Tage, wurden von Katja Eltern besucht, machten eine kleine Wanderung, gingen in einem Hotel Frühstück essen, übten schwimmen und Motorboot fahren.
Da für Montag viel Wind angesagt war, lichteten wir am Sonntag den Anker um Richtung Funchal aufzubrechen, ungeachtet der Aussage des Funchaler Hafenmeisters dass wir uns erst einmal am Montag in Funchal telefonisch melden sollten, um dann zu erfahren, ob genügend Platz für die Muline wäre.
Booohh, der Segeltourismus ist auf Madeira noch ein brachliegender Acker.
Bevor es bei uns aber los ging, kamen noch Katjas Eltern vorbei, um den Landweg mit den Lütten zu bestreiten. D.h. meine Geliebte und ich das erste Mal allein mit der Muline unterwegs. Wird das gut gehen? Haben wir beide genug zu tun oder auch zu erzählen, ohne das Langeweile oder gar Lüttensehnsucht auftaucht? Der Wind kam von vorn und das nicht zu knapp mit 5 bis 6 Windstärken, so dass alle Sorgen vom Schwarzseherskipper auf der Kreuz weggeblasen wurden. Und auch als der Wind später abnahm und wir Funchal anliegen konnten war alles gut :-) Kurz vor Funchal, nachdem unseren ersten Funksprüche an den Hafenmeister unbeantwortet blieben, nahm die Sorgen vom Schwarzseherskipper wieder zu. Wenn die uns nun wirklich nicht wollen, was dann? Wieder zurück nach Machico um mal Starkwinderfahrungen vor Anker zu sammeln oder an Machico vorbei zu einen anderen Hafen, um dann zu erfahren, dass auch da alle freien Plätze nicht zu unserer Muline passen. Beim dritten Versuch, diesmal auf Kanal 16 eine Reaktion vom Hafenmeister, hääääää eine Laolawelle ging durch die Muline. Dann ging alles ziemlich schnell. Innerhalb kürzester Zeit lagen wir längsseits an der Pier. Später stellte sich heraus, dass das Hafenmeisterbüro am Wochenende nicht besetzt ist und deswegen neue Gäste gern auf Montag vertröstet werden. Ausserdem gab es diverse freie Plätze, die aber offensichtlich privat sind und nicht von Gastschiffen belegt werden dürfen. Neue Länder, neue Sitten.
Egal, das kinderlose Paar zog erst einmal los, die Freiheit zu geniessen. Die erste Hafenkneipe wurde angesteuert, um dort kühles Bier und warmes verspätetes Mittagsessen zu bestellen. Kurz darauf klingelt das Telefon, der Schwiegervater in der Leitung: „Hallo Christoph, wir brauchen Eure Hilfe, habe das Licht angelassen und nun ist Batterie alle … Pieep....“ (Ruhe) … So ein Ärger, die Batterie vom Handy auch. Der Skipper, leichtfüssig mit seinem Flipflops, springt auf und hastet zum Boot um ein anderes Handy zu holen. Auf dem Weg zum Boot rammt sich ein kleiner Eisendorn am desolaten Funchalsteg durch den Flipflop in die Skippersohle. Ca. eine Stunde später erhielt der kleine Toyota Starthilfe, nach erster medizinischer Hilfe an der Sohle, einem kühlen Bier in der Hafenkneipe und tröstende Worte von der Geliebten.

Montag, 15. September 2014

Sebastian, Katja´s Bruder:
Urlaub!!!!!!!!
Oui zurück in Hamburg. 8 Tage weg........ ich schreibe den Beitrag nachträglich, wir kamen nicht dazu. Ankunft Madeira mit den Eltern Donnerstag, 4. September, nachmittags. Bis hierher war schon aufregend. Verspätungen, längster Flug überhaupt, meine armen Ohren, wo ist der Strand??!  Wieso hat Madeira keinen Strand?



Eigentlich wußte ich es, Vulkaninsel. Ich habs wohl verdrängt. Vier Tage Madeira. Ich mag ja Pflanzen. Zum zweiten Mal Palmen in echt, zum ersten Mal überhaupt Kaktusfeigen, Avocado, Bananen und Feigen (in freier Natur) gepflückt, atemberaubende Aussichten von oben aufs türkisblaue Wasser mit weißer Gischt... Neustrelitzsche Strelizien überall (hab ich gelernt) und freundliche, lachende Menschen. Ziemlich warm, oder besser gesagt hohe Luftfeuchtigkeit. Schwitzen total. Coole Marken, Schriftzüge und Logos im Supermarkt, Früchte überall, überall Mini-SPAR-Märkte (warum gibts SPAR hier nicht mehr, warum umbenannt?!) Egal. So Tag 4, heute nachmittag kommen se in Porto Santo an. Endlich. Porto Santo ist eine Vulkaninsel aber mit 9 Kilometern feinstem Sandstrand.

La Isla Bonita...
Montag früh steige ich um 7.30 ohne Kaffee im Bauch auf die Porto Santo Line, 2 Stunden Überfahrt. Gleich ist es soweit. Ich freue mich tierisch auf die Kiddies, auf alle, aufs Boot, aufs Wasser, Strand, angeln, Sonne. Naturpeeling vom Feinsten. Die Spitzen von Porto sind sichtbar, genauso wie der sich anbahnende Goldstrand, mein Puls steigt. Runter die Rampe und mit meiner schweren Tasche einen riesigen Bogen um das Hafenbecken, gefühlte 32°. Geiles Wasser. Es ertönt von weit her ein lauter Pfiff und ich erkenne sofort Christoph auf einem weit entfernten Steg winken. Das daneben könnte auch die Muline sein. Warum ist der Bogen so weit?! Ich bin da, laufe über den Zugang zum Steg. Schwanken überall. tausende kleine Fischschwärme im Wasser, Muline ist sichtbar, und dann das freudige Wiedersehen am Boot. 

angekommen.jpg

Die Kinder fremdeln ja gar nicht mehr wirklich.. supi. Nach 5 Minuten sind wir eigentlich schon alle über die Bootsleiter im Wasser, ich total überfordert. Wieso kann Emil schwimmen? Wenn auch n bisschen hektisch und unkoordiniert, aber es klappt. Mit Schwimmweste natürlich. Ein super Spaß für ihn. Matilda ist ein bisschen zurückhaltender. Ok ich bin endgültig im Paradies.. 



Ich glaube an dem Abend halb acht bin ich mit Emil und der großen Angel losgezogen, zur Mole. Leider fangen wir nix. Die Nacht ist regnerisch und ziemlich windig, das Boot schaukelt heftig. Fand ich cool, allerdings weiß ich nicht, ob mir das Segeln auf hoher, windiger See bekommt. Abgeschnitten von allem, nur Wasser, MegaNaturgewalten und eigentlich ist man doch nur ein winziges kleines Licht. Aber das Leben aufm Schiff in der Marina mit leichtem Schaukeln und dann noch im Paradies.. ich wüßte nix besseres. 
Ich bin am nächsten Morgen halb acht wach. Draußen noch halbdunkel aber über 20°C, ich nehme mir die Angel und versuche mein Glück lokal zwischen den Booten. Ich baue ein MiniAquarium  und wir machen kleine-Fische-Wettangeln. Mit dem Kescher erwischt man die kleinen wenigstens auf Anhieb. Notgedrungen daraus unbemerkt ein zwei Mini-Köderfische gemacht nochmal an den Angelhaken aufgespießt (tschuldigung Katja). Aber auch da beißt nix an, schade.  

Jeden Tag baden wir, manchmal vom Boot oder Steg, manchmal gehe ich auch hinter die Mole, wo der Strand beginnt. 
Emil steigt jetzt mit Schwimmgürtel ins Wasser. Am Anfang hat er 6 Schwimmelemente dran, Christoph hat sie beschriftet und jeden Tag nimmt er eins weg. Bei 4 ist aber Schluß, Emil hängt schon tiefer im Wasser. Aber er kann sich fortbewegen. 


Was bitte ist Sächsische Spitze??
Die Kinder sind im Bett, es ist dunkel und Christoph Katja und ich sitzen an Deck und spielen Skat. Wir ramschen, wenn keiner spielen will. Später zocken wir auch noch die Unterart “Sächsische Spitze”, die wie Grand geht, nur von unten. Die 7 ist das höchste, und der Karo-Bube auch. Neu und völlig umdenken, das Gehirn rattert. Ungeübt, mit Böcken und Kontra landen wir alle im dreistelligen Minusbereich. Alle kurz vorm Durchdrehen. Aber es macht total Spaß.

vorletzer Tag  - Mittwoch 10. Sept., die Eltern kommen heute mit der Fähre rüber. Beim Frühstück an Deck zieht kurz nach zehn die Fähre rein. Ab mit den Kindern in den Bollerwagen, ich düse los zur Anlegestelle. Alles viel zu hektisch, die Hitze, der weite Bogen.. egal wir stehen vor der Rampe, und da kommen sie. Freudiges Wiedersehen, Papa packt sich den Bollerwagen und wir ziehen los. So heute koche ich! Es gibt das Wintergericht Kartoffel-Porree-Hackpfanne, mit Kümmel abgeschmeckt. Wir sitzen zu siebent an Deck. Danach gehts von der Leiter ins Wasser. Opa Micha, Christoph und Emil am Schwimmen. Katja und ich filmen von oben. Birgit findet das Video später “unglaublich”. ;-) 


Familienausflug zu einem Café - davon weiß ich aber nichts, weil ich mich ne Viertelstunde hinlegen muß. Der ganze Trubel die Tage. Ich schlafe wie ein Stein bis halb sieben und wundere mich, noch keiner da. Eine Std später müssen wir an der Fähre zurück einchecken. Bin schnell nochmal rüber zum Strand, ein letzes Mal schwimmen. Mega hohe Wellen, die haben wir in der Marina von der Leiter aus nicht. Zurück, geduscht, gepackt, in letzer sagen wir mal Viertelstunde kommen alle zurück und Mutti, Papa und ich eilen schnellen Schrittes zur Fähre, um zurück nach Madeira zu fahren. 

Muline folgt ein zwei Tage später. Zu gegenwindig gerade, und kein freier Platz in der Marina Funchal. Eine letzte Nacht im Hotel und am Donnerstag gehts für mich nachmittags wieder nach Hause. Über Hannover, mit Verspätung, Mitfahrgelegenheiten beide weg. Ich habe dann noch welche gefunden, die mich nach HH mitgenommen haben. Freitag 2 Uhr früh zu Hause, aufgedreht, kaputt,  ich  war um 4 Uhr unruhig im Bett. 
Cool ist, dass am ersten Tag zu Hause noch alles geschwankt hat, wenn ich zB in die Küche um die Ecke gehe mußte ich mich manchmal abstützen, und beim hinsetzen schwankte es auch. Kribbeln zu Hause noch. Liegt aber eher auch an einem Druckproblem im Ohr nachm Fliegen, ich dachte das wäre vom Schiff. Nun ist es weg, aber es war schon witzig. Mittlerweile sind Katja Christoph & Co auf  Madeira angekommen und verbringen schöne Tage mit den Eltern - Micha und Inge.


Katja: Ich darf noch ergänzen: Die eine Dreadlocke, die ich just in Christophs Haupthaar entdeckt und entfernt habe, gab wohl den Anlass, sich mir ungewohnt geduldig, aber nicht ohne zig anleitende Kommentare frisörtechnisch hinzugeben. Ich fand den Langhaar-Typen ja besser...
vorher - nachher