Donnerstag, 24. Juli 2014

22. Ile d`Oussant (FRA) – Brest (FRA)

Feuerwerk zum Fussball-Weltmeister?“

Auf der Ile d`Oussant sind wir am nächsten Tag mit Fahrrädern über die Insel gegurkt, bei Nieselregen und Bewölkung. Die Insel hatte trotzdem ihren Charme. Am späten Nachmittag sind wir dann weitergesegelt, nach Camaret und von dort am nächsten Tag weiter - ein Katzensprung nach Brest.

In Brest – unserem Absprungort für die Biskaya lagen wir eine ganze Woche. Haben allerdings einmal den Hafen gewechselt. Der erste war näher an der City.

Dort haben wir auch auf einer Riesenleinwand zusammen mit vielen anderen Menschen das Fussball-WM-Finale geschaut. Um Mitternacht gab es dann beim Hafen ein schönes Feuerwerk. Ich staunte, dass die Franzosen unseren WM-Titel feiern. Am nächsten Tag, als ich die Hafenmeisterin nach dem nächsten Bäcker fragte, meinte sie, wäre alles zu – ist ein Feiertag. Alles klar, der französische Nationalfeiertag. Deshalb auch die vielen Menschen und das Feuerwerk.
Nach ein paar Tagen zogen wir um, einmal quasi um die Ecke. Da lagen wir dann gemütlich noch ein paar Tage, ein Strand war in der Nähe. Wir erledigten zwei Grosseinkäufe mit der Sackkarre im nahegelegenen Supermarkt (ca. 2km) und angelten viel und erfolgreich. Wir suchten Kontakt zu einer Gruppe
Einheimischer, die ein paar Meter neben unserem Boot am Steg eine Dorade nach der anderen rausfischten. Nachdem wir uns die Technik abgeschaut und ein paar Köder geschenkt bekamen, hatten wir auch Erfolg. Es reichte sogar, um Dietmar von der Summer zum Mittag miteinzuladen, der seine Dorade und einen Aal beisteuerte.
Und es gab einen kleinen (Torda-?) Pinguin, den wir immer mal im Hafen sichteten.
Überhaupt sammelten sich in der zweiten Marina so nach und nach ein paar deutsche Boote an. Eine schöne Gemeinschaft. Und nebenan war ein grosses Wassersportzentrum und es schien, dass Segeln, Surfen und Kanufahren zum Schulunterricht in Frankreich gehören, da grosse Gruppen an Kindern auf dem Wasser unterwegs waren. Ist uns schon in der ganzen Bretagne aufgefallen. Jetzt ist mir auch klar, warum unsere Freundin Pascaline (eben von dort) so wassersportlich ist.
Nach einer Woche beschlossen wir, die Biskaya in den Angriff zu nehmen. Nach Christophs Wetterbeobachtung ein günstiger Zeitpunkt. Wir sprachen nochmal mit einem einheimischen Skipper. Unsere Vorhersage war, Wind aus günstigen Richtungen, aber vielleicht ein wenig schwach. Aber lieber so und zur Not motoren, als zuviel Wind. Die Biskaya hat da ja so einige Geschichten auf Lager. Meine Vorstellungen, dass sich in Brest schnell eine Gruppe von Gleichgesinnten finden würde für die Biskaya-Überquerung hat sich so nicht erfüllt.

Die Kinder hören übrigens oft und gern das Hörspiel „Der kleine Drache Kokosnuss“ an Bord. Und schmökern in ihren vielen kleinen bunten liebevoll illustrierten Pixie-Büchern. Mit der Hand-Reibe haben wir schon die ein oder andere Schüssel mit leckerem Apfel-Möhren-Salat gefüllt. Und das köstliche selbsthergestellte Olivenöl ist natürlich schon längst alle. Die Ikea-Wäschespinne ist eine super praktische Erfindung. Die Holzkiste zum Öffnen zu einem späteren Zeitpunkt wartet noch brav in einer Ecke im Salon. Um nur ein paar von den schönen Geschenken von Freunden und Familie zum Abschied zu erwähnen.

Haben übrigens nochmal von „unserem“ Delfin gehört. Der ist in der Gegend schon bekannt. Ein Skipper erzählte uns, bei ihnen hätte er sich nachts um drei am Boot geschubbert und laut geplatscht, so dass die Besatzung dachte, da ist ein Mann über Bord gegangen.


23. Brest (FRA) – La Coruña (ESP)
Die berühmt-berüchtigte Biskaya“

66 Stunden brauchten wir, um die Biskaya zu überqueren. Den ersten Tag hatten wir guten entspannten Wind zum Segeln. Am zweiten wurde er schwächer, so dass wir dann die Nacht durchmotoren mussten. Und am dritten frischte er so weit auf, dass wir alles gerefft haben, was ging. Und hofften, dass er nicht noch stärker wird (mein einzig negativer Gedanke). Die Wellen waren schon recht hoch und kamen von schräg hinten, so dass die Muline wieder ordentlich durchgeschüttelt wurde.






Ansonsten wurden wir öfter von einer Gruppe kleiner Delfine begleitet (wir sahen übrigens viel mehr Delfine als andere Segelboote), die lustig in Zweier-und Dreier-Formationen aus dem Wasser sprangen, flink durchs Wasser glitten und behende unter unserem Boot durchtauchten. Sehr gut zu beobachten in dem klaren blauen Wasser. Eine schöne Abwechslung.

Unser Wachsystem – Christoph 21-24, ich 0-3 und Max 3-6 stellte sich als ganz praktikabel heraus.
Als ich alleine in der Plicht sass, war es ringsum düster wie im Bärenpo, obwohl tausend Sternlein prangten und ein wenig Plankton im Fahrwasser fluoreszierte. Das Wasser rauschte und unsere zuverlässige Windsteueranlage knarzte vor sich hin. Ab und zu musste ich den Kurs überprüfen und meine Äuglein anstrengen, um andere Boote im Dunkeln zu entdecken auf eventuellen Kollisionskurs abzuschätzen. Und natürlich unsere Daten alle Stunde ins Logbuch eintragen. Die drei Stunden gingen schnell vorbei und ich konnte mich wieder in die Koje kuscheln.

Wir stellten fest, dass das Schönste am Segeln doch immer wieder das Ankommen ist. Meine Müdigkeit war verschwunden, als wir um drei Uhr nachts in die hellerleuchtete Bucht von La Coruña einliefen.
Und waren auch sehr froh und auch ein wenig stolz, dass wir so gut durch die Biskaya gekommen sind.

Sonntag, 13. Juli 2014

19. Cherbourgh (FRA) – Alderney (Kanalinseln) – Guernsey St. Peter Port (Kanalinseln)

Nach drei Tagen in Cherbourgh war Christophs Geduldsfaden dann doch kurz vor gerissen und so machten wir uns wieder auf den Weg.
Ein schönes Kontrastprogramm mal wieder – Cherbourgh Volksfest in moderner Marina mit Verkaufsständen, Liege-Spielwiese, Lautsprechermusik und Hüpfburg und Alderney, die erste auf dem Weg liegende britische Kanalinsel - eine kleine ruhige Insel mit grüner Natur. Dort gab es keine Marina. Wir haben uns schon belesen, dass man dort an einer Muringtonne in einer geschützten Bucht festmachen kann. Fand ich sehr spannend. Mal wieder etwas Neues. Nix mit „Beine über die Reling schwingen und an Land stehen“.
Jetzt ist wieder Benzin drin.


Gleich nach der Ankunft hiess es, das erste Mal das Schlauchboot aufpusten und ins Wasser lassen, damit wir auch an Land kommen. (Na gut, im Garten von Christophs Eltern wurde es schon einmal probe-aufgebaut, aber natürlich noch nicht benutzt). Wie es kommen muss, der Motor sprang nicht an. Enttäuschung. Aber die Ursache war schnell gefunden, kein Benzin mehr drin. Muss wohl unterwegs verloren gegangen sein. (Wie, da hatten wir keine Idee.) Also nahmen Christoph, Max und Emil ein Wassertaxi und besorgten einen Kanister Treibstoff, während Tilda und ich an Bord blieben.
Mit meiner Bade-Sehnsucht, die sich in Cherbourgh stark aufgebaut hatte (sehr heiß und sonnig), wurde es erstmal nichts, weil Alderney uns grau und regnerisch empfing und auch den nächsten Tag wurde es nicht besser.
Am dritten Tag bin ich morgens alleine ins Schlauchboot gestiegen und zum Steg gefahren, den Berg hoch in das kleine Städtchen gewandert, um Brötchen fürs Crew-Frühstück zu besorgen – aber es war ein Sonntag und dementsprechend Totentanz und geschlossene Läden.
Alderney
Nach dem Frühstück machte ich mich nochmal auf den Weg an Land, zusammen mit Emil (Christoph und Tilda brauchten Ruhe für ihr verfrühtes Mittagsschläfchen). Waren schön am Strand, Sandburg bauen und kleine Schätze (Steine, Muscheln, Federn und Stöckchen) sammeln.
Erst am Abreisetag zeigte sich nachmittags die Sonne und blauer Himmel. Sogleich sah die Bucht aus, wie im Prospekt. Türkises klares Wasser und eine grüne Insel. Aber es herrschte ein kühler, stetig zunehmender Wind. Der Christoph ein wenig Kopfzerbrechen bereitete, ob unserer Weitersegel-Pläne. Um die Insel herum gibt es starke Strömungen, den Swinge und den Race.
Laut Auskunft des Hafenmeisters sollte aber für uns 16:25 Uhr die beste Zeit zum Ablegen und Guernsey Ansteuern sein, da dann der Strom mit uns ist und auch später der Wind auf NW drehen sollte.
So bereiteten wir alles vor, verstauten das aufgepustete Schlauchboot auf dem Vorschiff (gerade so eingepasst) und starteten.

El Capitano
Die Segeletappe war wieder ohne besondere Vorkommnisse.
St Peter Port - Guernsey


Finde Muline!
St. Peter Port auf Guernsey empfing uns im Abendlicht, eine tolle Kulisse – ein Städtchen in der Bucht direkt an der Marina an einen Hang geschmiegt mit vielen alten Häusern, Steintreppen und Unmengen an Blumen geschmückt. Schnell das Abendbrot eingenommen, die Kinder zu Bett gebracht und Max als Aufpasser eingeteilt – dann bin ich mit Christoph noch kurz durch die engen steilen Gassen flaniert und wir haben ein kühles Bier in einem Pub getrunken. Der nächste Tag war ein Hafentag mit Wäsche waschen, ein wenig Lebensmittel einkaufen und herumspazieren.


20. Guernsey St. Peter Port (Kanalinseln) – Roscoff (FRA) – L'Aber Wrac'h (FRA)
Frühaufsteher“

Jetzt sind wir in der Bretagne.

Heut morgen sind wir im Konvoi mit ein paar Norwegern und unseren deutschen Nachbarn losgesegelt. Es hat sich im Hafen in St. Peter Port herumgesprochen, dass viele die günstige Strömung nutzen und um 6 Uhr starten wollten. Da wir im Päckchen lagen zu dritt und sowieso mit aufstehen mussten, um die anderen „rauszulassen“, entschieden wir, wir segeln auch so früh los. Nächste Chance wäre auch erst wieder 12 Stunden später gewesen.

Etwas verknittert und verschlafen standen Christoph, Max und ich an Deck und starteten in den Tag, während die Kinder trotz Aufbruchslärm und Motor noch schliefen.

Ohne Probleme erreichten wir die französische Küste.
In Roscoff, einer neu gebauten Marina, liehen wir uns am nächsten Tag (ein Hafentag) Fahrräder aus. Emil sass im Kindersitz bei Max mit drauf, Tilda bei Christoph und ich hatte einen Kinderanhänger für unsere Einkäufe. Nach der Verproviantierung und Mittagessen an Bord (es gab frisch gekauften Lachs mit frisch gepflücktem Fenchel aus Alderney) fuhren wir zu einem kleinen Strand im Ort. Die Kinder badeten und tollten im Sand herum. Uns war der Wind noch ein wenig zu kühl und unser Motto: „Warum jetzt abquälen, wir kommen noch in warme Gewässer.“



Der Gezeitenströmung geschuldet sind wir am nächsten Tag wieder früh los (um 7 Uhr), wie gehabt - wir verschlafen an Deck, die Kinder noch schlummernd in ihrer Koje.
Kaum nach der Ausfahrt aus dem geschützten Bereich kamen uns grosse Wellen entgegen, die Muline aber souverän abgesurft hat und Max und Emil kurzzeitig ausser Gefecht gesetzt haben. Mussten leider wieder viel motoren, um den Kurs zu halten, da der Wind nicht so richtig von West (unser Kurs) auf Nordwest drehen wollte, wie eigentlich angesagt.

Stromausfall“
Im nächsten Hafen – L'Aber Wrac'h, war Abends plötzlich Stromausfall, nichts ging mehr. Ein Glück, dass wir nicht gerade auf See waren.
Tags darauf entdeckten wir ein Wackelkontakt am Hauptschalter.
Dietmar von der „Summer“ kam uns besuchen und wollte technische Hilfestellung für unser Pactor-Modem geben. Wir sind jetzt neu in einer Funkrunde (jeden Tag 10:15 Uhr piepst jetzt Christophs Handy als Reminder) und haben so die Möglichkeit, neue Kontakte zu anderen Crews zu bekommen und uns auszutauschen.


21. L'Aber Wrac'h (FRA) – Ile d'Quessant - Baie du Stiff (FRA)
Kampf mit Flipper“

Da wir das Stromproblem insoweit schon gelöst haben, dass wir wissen, wo der Fehler liegt, sind wir doch noch nachmittags gestartet, zu einer ca. 19 Seemeilen entfernten Insel, die uns Pascaline, eine bretonische Freundin aus der Schweiz empfohlen hatte.
Unterwegs nahm der Wind ab und wir motorten mal wieder. Es war so ruhig, dass Christoph schon vorn an Deck mit Max und Emil das Schlauchboot klarmachte. Wir wussten schon, dass wir hier in der Bucht an einer Muringtonne festmachen müssen, und somit wieder das Beiboot zum Einsatz kommen würde.
Wir fuhren rein in die schöne Bucht und als das Anlegemanöver schon im vollen Gange war, tauchte auf einmal ein Delfin unter unserem Boot durch. Ich war so aufgeregt und freute mich, dass ich erstmal ordentlich abgelenkt war, sehr zum Verdruss des Skippers.
Trotzdem erwischten wir mit dem Bootshaken die Muringtonne, die wir uns ausgesucht hatten, gut. Nun musste unsere Festmacherleine durch die Öse gezogen werden. Das fand Flipper so toll, dass er anfing, wie wild mit der Muringtonne wie mit einem Ball zu spielen und immer aus dem Wasser sprang und uns mit Wasser bespritzte. Ein tolles Spektakel. Ich war äusserst erheitert, während Christoph recht genervt war und versuchte, die Leine durchzufädeln. Drei Mal schlug Flipper Christoph bei seinen Sprungmanövern die Leine aus der Hand. Wirklich, urkomische Situation. Christoph absolut nicht amüsiert, seiner Aussage nach „quaddernass“ und seinen Bootshaken in Gefahr sehend. Max und ich voller Freude. Und für die Kinder war es auch ein super Schauspiel. Als wir dann bei einem zweiten Anlauf festgemacht haben, schwamm der Delfin ganz ruhig direkt neben unserem Boot und hob für eine Weile seinen Kopf schräg aus dem Wasser und taxierte uns. Emil „hat sogar sein Loch auf dem Kopf gesehen, was er auf und zu gemacht hat“. Christoph meinte, er hat sich nochmal „die Neuen angeschaut, die keinen Spass verstehen.“ Und dann ist er leider davongeschwommen.







Max machte eine skeptische Bemerkung zum Schlauchboot, ob das jetzt eine gute Idee wäre, damit loszufahren. Hatten wir nicht mehr vor, es war schon abends, nur noch ein paar Knobi-Brote mit Käse überbacken und frisches Brot mit Guakarmole auf den Tisch und dann den Tag ausklingen lassen.
Christophs Gute-Nacht-Geschichte hatte von Emil folgende Vorgaben: „von Kamola (er hat jetzt Guakarmole als sehr schmackhaft entdeckt), der war ein Schlafsack, ein kleiner, der laufen konnte. Ein alter.“ - Christoph machte tatsächlich ein Einschlaf-Geschichtchen draus.
Später schwang sich Max, animiert vom Skipper doch nochmal kurz nach Sonnenuntergang ins Schlauchboot, um Fisch zu kaufen. Ich sah nämlich ein Fischerboot den kleinen Hafen ansteuern und so paddelte Max (der Motor war noch nicht installiert), ausgerüstet mit unserem Funkgerät für alle Fälle und ein paar Euro los, um den Fischern ein wenig von ihrem Fang abzukaufen. Und brachte zwei wunderschöne Exemplare mit, die jetzt erstmal im Kühlschrank verstaut wurden und die wir uns morgen zubereiten werden.

Bin gespannt, wie gut wir schlafen werden. Ab und zu klappert das Geschirr in der Küche, da hier ein wenig Schwell ist.

Freitag, 4. Juli 2014

17. Poole (GB) – Portland (GB)



Der Speck muss weg“
Der zweite Segeltag ohne meinen Vater. Ich vermisse ihn und seinen Rat, werde aber die restliche Crew ab sofort so mit Informationen und Buchvorschlägen zum Thema Segeln zuballern (normale Bellestristik ist nun an Bord nicht mehr erlaubt), dass sie bald in seinen Fussstapfen stapfen können.
Eigentlich sollte es heute nach Cherbourgh, da dafür aber der passende Wind ausblieb und wir mit dem Wind aus dem Dieseltank ein bisschen sparen wollen, haben wir kurz nach dem Ablegen umdisponiert und Portland angesteuert. Ein netter Hafen, der 2012 als Austragungsort der Segelolympiade gedient hat. Nach einem längeren Spaziergang mit den Lütten auf der Suche nach dem versprochenen Spielplatz, haben Max und ich zum Abend noch mal die schnellen Schuhe angezogen und sind losgeflitzt. Das tat gut, zum einen sieht man ein bisschen mehr als nur das Hafengelände und die angrenzenden Spielplätze und zum anderen habe ich beim Laufen Spass, was ich aber immer wieder vergesse.

18. Portland (GB) – Cherbourgh (FRA)
Ähhhh, wozu Strömungskarten?“
Bei ca. 5 Windstärken aus Ost legen wir um 9 Uhr ab. Wir machen flotte Fahrt, ca. 7 Knoten über Grund und sind guter Dinge, dass wir die ca. 60 Seemeilen in rund 10 Stunden schaffen werden. Der Strom im Kanal versetzt uns erst einmal Richtung Osten, so dass wir mit halbem Wind Cherbourgh anliegen können. Und hier beginnt der Fehler des Skippers, anstelle Höhe mitzunehmen für den Fall, dass der Strom mal aus einer anderen Richtung kommt (und das passiert im Kanal alle 6 Stunden) freut sich der Düsbattel über die Rauschefahrt. Nach ca. 30 Seemeilen müssen dann die Segel Stück für Stück dichter genommen werden, bis wir plötzlich nicht mehr Cherbourgh anliegen können, weil nun der Strom mit fast 2 Knoten von Ost nach West schiebt.
PANIK. Der Motor geht kurz an, erscheint dann doch nicht als passendes Gegenmittel bei 5 Windstärken von vorn und geht dann wieder aus. Gibt es eine Alternative auf den Kanal Inseln? Der Kartenplotter, der auch restliche Fahrtzeit anhand der aktuellen Geschwindigkeit zum Ziel berechnet, zeigt zur Halbzeit noch mal 8 Stunden bis Cherbourgh an. Nun werden die Strömungskarten rausgeholt und das nächste Hochwasser von Dover bestimmt. Na ja, aus den 10 Stunden wird wohl nix, vielleicht schaffen wir es ja bis zum Dunkelwerden und wenn wir lange genug draußen bleiben kippt ja der Strom auch wieder, das aber erst zum Abend hin. Genauso kommt es. Wir fahren hart am Wind mit ca. 4 Knoten über Grund Richtung französische Küste und erreichen 23:30 Uhr zum Schluss wieder mit kräftiger Unterstützung des Stroms Cherbourgh. Die Kinder schlafen da schon selig. Max hat sich bei seiner ersten Bewährungsprobe bestens gehalten, Katja hat uns trotz heftigem Seegang ein wunderbares Curry kredenzt, nur der Skipper hat ein bisschen gedüst und gelobt aber Besserung.


Katja: Den Kindern haben wir wegen des Seegangs im Salon mit Leesegeln ein gemütliches Schlafplätzchen gebaut. Die Kugelluke habe ich noch mit einem Handtuch zugehängt und so simuliert, dass die Sonne schon untergegangen ist. Den echten Sonnenuntergang konnten wir kurz vorm Ziel bewundern. Als wir unsere Festmacher bei einem anderen deutschen Segler vertäut hatten, war es inzwischen dunkel.

Hier in Cherbourgh, einer französischen Seglerhochburg, war am nächsten Tag eine Regatta. Viele Boote mit vielen Flaggen und Rahmenprogramm am Kai samt Hüpfburg für die Kinder. Wir legten ob der anstrengenden Tour am Tage davor einen schönen Hafentag ein. Und einen zweiten, der allerdings nicht ganz freiwillig. Unser Nachbar warf Bedenken gegen unsere Pläne ein, zu den Kanalinseln weiterzusegeln, da gerade Springzeit ist (Neumond und deswegen höhere Flut) und sich da unangenehme Kabbelwellen bilden würden.
So bleiben wir noch ein Weilchen hier...

Sonntag, 29. Juni 2014

16. Lymington (GB) – Poole (GB)
der neue Steuermann
Jugendliche Crew“

So, jetzt sind wir mit einem neuen Crew-Mitglied unterwegs, Andreas ist abgestiegen, Max hinzugekommen und steht schon am Steuer.
War schon ein komisches Gefühl, als Andreas dann wirklich weg war und wir abgelegt haben. Neu war: wir besprachen vorher ausführlich, heisst, Christoph instruierte uns genau, wie wir das Ablegemanöver gestalten. Hat alles schon mal gut geklappt. Sind ja aber auch Lulli-Bedingungen, kaum Strom oder Wind.
Jetzt mit Max an Bord fühle ich mich wie auf Klassenfahrt ohne Aufsicht (wobei ich Andreas keinerlei Aufsichtsrolle zuschreiben möchte). Auf alles, was wir „alleine“ hinbekommen, bin ich stolz. Ist natürlich Quatsch! Christoph mit seinen graumelierten Schläfen und seiner Erfahrung hält die Fahne hoch.
Im Nachhinein kann ich nochmal behaupten, wir sind froh, dass Andreas sich so lange Zeit genommen und uns die erste Strecke begleitet hat. Es war eine schöne Zeit. Auch wenn das Bordleben von allen etwas Kompromisse abverlangt, so haben wir doch das Beste draus gemacht, denke ich. Wir werden den Brötchenholer, Ruhepol, 1A-Steuermann und Opa vermissen.
Max hat eine ausführliche Einweisung von Christoph erhalten. Bestimmt nicht so einfach, so viel Wissen gehäuft und dann noch nicht einmal in der Muttersprache (seine ist englisch) und dann noch in Segler-deutsch. Ich hab bei der ein oder anderen Sache auch nochmal die Ohren gespitzt, fühle mich aber im grossen und ganzen schon ein wenig erfahren. :)
Letzte Nacht haben wir zu Acht (Uta, Max, Karl und die alte Stammbesatzung) auf dem Boot verbracht, was sehr gut ging. Je ein Kind mit Christoph und mir in den Hundekojen, die Jungs im Vorschiff und Uta und Andreas im Salon. Abends gabs überbackene Stullen, Salat, Wasser, Bier und Rotwein.

@Uta: Max trägt seine Schwimmweste vorschriftsgemäss und der gelbe Sender ist auch schon dran, er macht immer den Abwasch und wir passen auf, dass er um Acht in der Koje liegt. Und, keine Weibergeschichten natürlich! :)))

Freitag, 27. Juni 2014

14.
Katja: Sind nochmal schnell zum Strand nach dem Anlegen – wir sehen zu, dass die Lütten immer noch ein wenig „Auslauf“ bekommen (und sie spazieren immer auch selig und glücklich los). Der Weg führte über die Schleusenanlagen, durch die wir reingefahren sind. Ein Strand nicht sandig, sondern mit grossen braunen Kieselsteinen.

Christoph erzählt den Kindern viele selbstausgedachte Geschichten zum Einschlafen – ich staune über seine blühende Fantasie und die Kinder lieben's.
Gestern gab's „Tundi, der schreckliche Pirat“, mit den Eckdaten von Emil (heisst, er denkt sich die handelnde Person und evtl. ein Objekt aus). Oft gibt’s auch was von Kalli (vom Sandmännchen), der immer träumt, dass er sich in was Bestimmtes verwandelt (das gibt Emil auch immer vor) … und wenn gerade nötig, baut Christoph nauch noch eine erzieherischen Hintergrund mit ein.


15. Shoreham (GB) – Cowes (GB Isle of Wight) – Lymington (GB)
Bildschöne englische Küstenstädtchen“

Tilda und Emil sind zeitweilig sehr unausgeglichen – ich denke oft drüber nach, woran das liegen mag. Wahrscheinlich ist es das späte Zubettgehen, denn seit zwei Tagen, wo wir es wieder ein wenig eher geschafft haben, ist es besser geworden. Sie sind wieder fast ausschliesslich liebenswert.

Sitzen grad im Stadthafen von Lymington auf unserer Muline und lassen die friedliche Abendstimmung auf uns wirken. Am Kai werden grad Tische aufgebaut für eine grosse Grillrunde, Christoph schaukelt sanft mit seinem Kindle in der Hängematte, die er grad zwischen Vorsegel und Mast befestigt hat, Tilda bekritzelt mein Reisetagebuch, Andreas sinniert und schaut sich das Treiben ringsherum an, der Hafenmeister schippert grad vorbei, die Liegegebühren zu kassieren, Emil spaziert übers Deck.
Morgen ist Crew-Wechsel. Andreas steigt ab und Max, der Cousin von Emil & Tilda wird von Uta (Christophs Schwester) und Karl (der andere Sohn) morgen spätnachmittag gebracht. Eine Nacht werden wir alle Acht hier auf dem Boot wohnen.

Gestern und vorgestern waren wir in Cowes auf der Isle of Wight. Auch ein Kleinod von Städtchen mit sehr gemütlichen und stilvoll gestalteten kleinen Restaurants und Pubs.
Bei der Ansteuerung der Insel fiel mir auf, wie grün diese ist. Lauter Bäume. Da wurde mir erstmal bewusst, dass wir so viel Grün länger nicht mehr gesehen haben und dass Wald die nächste Zeit wohl nicht mehr so die Rolle spielen wird.
Der Solent, der zwischen der Insel und der Südküste Englands liegt, ist laut Reiseführer das beliebteste Segelrevier der Briten. Dementsprechend viele Segelboote und Yachthäfen sind hier auch und die Stadt ist voll auf Segler ausgerichtet. Wir haben uns eine kleinere Marina ausgesucht. 
Das Fussball-Spiel Dtl.-USA konnten wir uns im Pub der Marina, der gemütlich war wie ein grosses Wohnzimmer, anschauen. Da die Bar noch nicht geöffnet hatte, flitzte Christoph schnell los und holte ein paar angemessene Getränke. Und die Kinder konnten nach Herzenslust toben, da wir die einzigen Gäste waren.


Die Kinder sind jetzt stolze Besitzer und Benutzer zweier kleiner Kescher – Farbe durften sie sich beide aussuchen. Also haben wir jetzt zwei in Pink an Deck. Damit haben wir schon am Steg ein paar kleine Garnelen gefangen. Aber zu klein bzw. zu wenige, um den Herd anzuschmeissen.

Haben gestern abend mal eine Aufstellung der Finanzen gemacht – jetzt wissen wir, was wir pro Tag ausgeben können/dürfen, um nicht in die Bredouille zu kommen. Wir hoffen, das ist realistisch. Also kein Bier mehr, kein Essen gehen, keine Shopping-Touren für Katja, keine Bootsreparaturen und teuren Marinas. :)

Donnerstag, 26. Juni 2014


11. 
Nun melde ich mich einmal zu Wort.
Als Christoph mir von seinen und Katjas Plänen erzählte, war ich nicht sehr begeistert. Aber sie hätten - zwar zu meiner Zeit nicht realisierbar – auch von mir sein können. Dass Eltern sich aber bei so einem Abenteuer (gleich Gefahren) Sorgen machen, ist sicherlich verständlich.
Christophs Angebot, solange wie möglich mit ihnen zu segeln, war verlockend aber auch mit einigen Bedenken verbunden. Würde ich, der seit vielen Jahren allein lebt, es mit einer jungen Familie mit zwei kleinen Kindern auf engstem Raum lange aushalten? Der Kompromiss war: vier Wochen, maximal fünf Wochen, bis irgendwo an der Küste Südenglands, nicht länger.
Hier soll mich Max, mein fast 18-jähriger ältester Enkelsohn, aus Wales, der gerade sein Abitur gemacht hat, ablösen.
Die bisherige Fahrt klappte ohne grössere Komplikationen problemlos. Natürlich nerven mich die Kinder gelegentlich, wenn sie schreien und das nicht selten, wenn sie ihren Willen nicht bekommen oder müde sind und trotzdem nicht schlafen gehen wollen. Ihr Gejuchse beim Spielen entschädigt dann wieder. Ausserdem gibt es tagsüber Ruhe- und Entspannungsphasen für die Eltern und mich. Christoph hat noch keine Lockerheit gefunden. Sein Ton Katja und mir gegenüber ist bei den Anlegemanövern manchmal schroff, seiner Angespanntheit und Konzentration geschuldet. Es hat sich aber während der bisherigen Fahrt schon gebessert. Er ist eben der Skipper und trägt die Verantwortung. Katja ist eine gelehrige Segelschülerin, bei den Anlegemanövern aber aufgeregt und auf das Wort des Skippers angewiesen. Es wird schon werden.
Meine Reise wird am 28.06. beendet sein. Uta hat den Rückflug von Bristol nach Berlin für den 29.06. bereits gebucht.
Ich wünsche dem Paar mit ihren Kindern und allen zukünftigen, zeitweiligen Mitseglern immer eine handbreit Wasser unter dem Kiel, Mast- und Schotbruch, viele unvergessliche Erlebnisse und dass alle heil und gesund wieder zurückkommen.


12. Nieuwpoort (Belgien) - Dunkerque (FRA) – Boulogne (FRA)
Die Lage ist stabil“

Oostende 
Vor Oostende bis nach Nieuwpoort nur ein Katzensprung zu unserem Yanmar-Service-Vertreter des Vertrauens, der eine Fehlermeldung (Wassereinbruch in der Saildrivedichtung), die es gar nicht geben sollte, wegen Ermangelung eines Saildrives, abschalten sollte. Das Problem war ein durchgescheuertes Kabel. In dem Zusammenhang wurde mir aber gleich noch ein dringend erforderliches Seewasseransaugentlüftungsventil aufgeschwatzt. In meinem blinden Vertrauen zum Servicehändler sicher eine essenzielle Verbesserung unseres Viertakters. Ansonsten neben der 1:4 oder :5 Klatsche der Schweiz gegen Frankreich und einem aus dem Hafenbecken gezogenen Lieferwagen mit Tatütata und allem Brimborium ohne nennenswerte Vorkommnisse.
Am nächsten Tag sollte es nach Calais gehen mit 4 Windstärken nahezu von vorn. Um unseren Dieselverbrauch zu schonen, zumal für den nächsten Tag entspannter Rückenwind angesagt war, disponierten wir kurzfristig um und zuckelten nach Dunkerque. 

Christoph hatte sich zum Träumen, wie ich annehme ;) nach vorn zum Bug verzogen. Das einsame Glück dauerte nicht lange, da wollte Emil auch hin. Also hab ich ihn fix angeleint und nach vorn geschickt. So sassen die beiden Jungs und träumten zusammen. Und entdeckten einen Seehund, der in einiger Entfernung seinen Kopf aus dem Wasser streckte.
Dunkerque
Im Hafen von Dunkerque kletterte Emil über die Badeleiter bis zur Hüfte ins ca. 15 Grad kalte Wasser (nackt mit Schwimmweste!) und war glücklich, mit seinen Beinen rumspaddeln zu können. Matilda wurde immer an den Armen festgehalten und vom Steg eingetaucht wie ein Teebeutel. Beide hatten Spass. Wir angelten mit Zwieback-Kaffeesahne-Köder (darauf waren in meiner Kindheit die Fische immer ganz scharf) und Pose, aber ohne Erfolg.

Der nächste angesteuerte Hafen in Frankreich, gleich hinter Calais war Boulogne, ca. 47 nm entfernt. Schon wieder eine schöne Stadtansicht vom Wasser aus mit breitem Sandstrand direkt neben der Mole, der in mir den Wunsch erweckte, gleich nach dem Anlegen (zackizacki – sonst nicht so mein Motto), mit den Kindern zum Baden zu gehen. Leider war es doch von der Marina ein ca. 2-3 km langer Fussmarsch (wir ohne jegliches Gefährt für die Kinder) und schon wieder so spät. Wir wagten es dennoch (weil ich keine Ruhe gab).
Guten Mogen!
Auf halber Strecke entdeckten wir einen letzten noch geöffneten Fischstand und „erbeuteten“ 4 Seezungen (?). Schnelle Planänderung: zurück zum Boot und Fisch in die Pfanne.
Derweil ich in der Pantry mit 3 Pfannen (eine für Gemüse, eine für Kart., eine für Fisch) auf 1,5 Flammen hantierte (der zweite Kocher vom Herd ist nur noch bedingt funktionsfähig), hielt Christoph ein Schwätzchen mit dem Nachbarn, einem Angler, der hinter uns festgemacht hat. Und der war so nett, den Kindern, die am Steg mit dem Kescher spielten, einen Teil seines Fangs in selbigen zu tun. Ausgenommen und küchenfertig. Also noch eine 4. Pfanne befüllt mit Makrelen und Mini-Schollen. So ein köstliches Abendbrot! Christoph war besonders angetan von den Makrelen (gebraten in Öl/Butter mit etwas Mehl, Pfeffer, Salz und Zitrone).
Fussbad in der Nordsee - 16 Grad
 
 
13. Boulogne (FRA) – Eastbourne (ENG) - Shoreham
Einmal schnell rüber und am liebsten wieder zurück“

Ich hab abgelegt. (Katja)
Christoph: Ja und dann hat meine Geliebte noch einen Hornfisch gefangen, der fast für uns alle fünf gereicht hätte. Ansonsten hatten wir mal wieder Glück mit dem Wetter, Sonnenschein und 2-3 Windstärken von hinten. Übrigens, Martin der Tag ging schon gut los, dank Deiner länderspezifischen Mucken, die wir uns regelmässig zu Gemüte führen :-)
Ansonsten wenig Aufregung bei der Kanaldurchquerung. In Eastbourne noch schnell durch die Schleuse und vor uns tat sich ein Hafengelände auf mit dem Charme einer Plattenbausiedlung im Stiel vom Golden Löwen in Stralsund (Widerspruch wird laut: Mein Vater meint: „So schlimm war es nicht“ und Katja fällt nur „Retorte“ zum Hafen ein). Wie auch immer, Eastbourne ist wahrscheinlich nicht der attraktivste Hafen an der südenglischen Küste.
Schleuse Shoreham
Nachdem ich den Hafenmeister nach einer Empfehlung für einen Hafen Richtung Westen gefragt haben und er mir den Schwesternhafen in Brighton wärmstens ans Herz gelegt hat, entschlossen wir uns am nächsten Tag für Shoreham einen kleinen Fischerhafen gleich hinter einem Industriekomplex, der auf den ersten Blick wie ein Atomkraftwerk aussah. Das krasse Gegenteil zu Eastbourn, auf dem Nachbarboot, der Besitzer ist vermutlich verstorben, wuchsen schon Flechten und Gräser.














Freitag, 20. Juni 2014

Hornfisch am Haken
Hornfisch in Pfanne
 











6. Brunsbüttel – Cuxhaven
"Nordsee - wir kommen!"

Nach einem Tip von einem Eingeborenen: „Jojo fahrt man so gegen 11 Uhr los, dann schiebt euch die Flut nach Cuxhaven." (und wirklich fast 4 Knoten von hinten) hatten wir noch ein entspanntes Frühstück in Brunsbüttel und sind dann gegen 11:30 Uhr los in die Schleuse. Oh Gott, so viele Boote, kann man in der Schleuse auch im Päckchen liegen, müssen wir noch mal bezahlen, …? Ein paar offene Fragen, die meinen Puls noch mal nach oben treiben. Aber dann geht alles gut.
Fertig mit der Ostsee (ca. 13 °C) - ab auf die Nordsee (ca. 16 °C). Die empfängt uns mit Sonnenschein und Wind von hinten.
3 Stunden später sind wir in Cuxhaven. Hier legen wir einen Hafentag ein. Der erste Service vom neuen Motor ist fällig, die Reffleisten vom Grosssegel müssen überarbeitet werden, die neue UKW- Antenne muss in den Mast und das Allerschlimmste, das Bier ist alle und neues muss besorgt werden.


7. Cuxhaven - Helgoland
"Butterfahrt"




Alles erledigt, nach einem Hafentag in Cuxhaven fahren wir mit auslaufendem Wasser mit Motor und 3 Windstärken von vorn Richtung Helgoland.

6 Motorstunden später kommen wir da an, eine schöne Insel, ähnlich wie Hiddensee, bloss teurer. Hier gibt’s unzählige Dutyfree-Shops und 1 Liter Diesel für 1 Euro.Nur gut das wir in Cuxhaven 106 Liter getankt haben :-(
Es wimmelt von Monteure, die ganze Hotel für die nächsten 10 Jahre ausgebucht haben, nur um meiner Branche mit Windenergie das Wasser abzugraben. Die machen wirklich ernst.
Wir bleiben dann noch zwei Tage da, einen weil Helgoland so schön ist und einen weil der Wind uns zu stark bläst für unseren ersten Nachttörn.

Katja: Schon auf dem Weg hierher sieht die Nordsee toll aus, klares in der Sonne glitzerndes Wasser mit ein paar Wellen. Ringsherum ein paar grosse Frachter. Nur leider Wind direkt von vorn - 3 Windstärken, so dass alle Segel an ihrem Platz blieben. 
Die Kinder spielen nach dem Aufwachen vom Mittagsschlaf vergnügt im Vorschiff „Achtung! Festhalten!“ und kugeln sich dann rum. Überall glasklares Wasser, selbst im Hafen. 
Beide Tage müssen wir früh aufstehen und unser Boot neu anknüppern, da unsere beiden Vorlieger" (wir lagen anfangs als Dritte im Päckchen) los wollten. 


 










8. Helgoland – Ijmuiden (bei Amsterdam)
"erster Nacht-Törn"


11:30 Uhr schmeißen wir die Leine los bei 4-5 Bft aus Nordwest. Nun ist es soweit, unsere erste gemeinsame Nacht auf dem Wasser steht uns bevor. Von den Wellen vom Vortag noch ist uns allen mit Ausnahme von Matilda erst einmal ein bisschen Flau. Super!!! Wenn das so weiter geht, endet unsere Reise in Amsterdam, da verhökern wir die Muline und machen es uns lustig in den Cafeshops.
Haha, der Wind nimmt ab und die Stimmung steigt. Hier wird nix verkauft.
Katja und mein Vater übernehmen die erste Wache. Ich versuche zu schlafen ohne Erfolg. Ab 1 Uhr bin ich dann dran. Nun könnte ich eigentlich schlafen.


Katja: Zum ersten Mal kommt die Windsteueranlage zum Einsatz. Das Zauberding steuert uns zuverlässig durch die Wellen und hält den Kurs. Besser, als wir es könnten. 
Wir überlegen, welche Wacheinteilung am sinnvollsten ist....lassen es aber ein wenig auf uns zukommen.
Inzwischen hat sich einer von uns wieder deakklimatisiert. Opa Andreas. Den Herd mit den halbgaren Canelloni haben wir aus Solidarität wieder ausgeschaltet. So gibts Bäckerbrötchen zum Mampfen, die wir noch vom Frühstück übrig hatten. Inzwischen haben wir keine Beschickung mehr durch den Strom und tanzen mit 8 kn regelrecht über die Wellen. 

So, jetzt startet die allererste Nachtwache. Bin ja gespannt. Teile sie mir aufgrund meiner noch geringen Erfahrung mit Andreas, vier Augen sehen mehr. Und Christoph wecken wir - spätestens! - um 1 Uhr. Sind ja technisch gut ausgerüstet, lassen die Windsteuerung arbeiten, überwachen den Kurs, der auf dem Kartenplotter angezeigt wird, schauen ab und zu mal rundum, ob die Bahn frei ist und knabbern Cookies. Alle Stunde trage ich unsere Daten ins Logbuch und die Position in die Seekarte ein. Sonst ist nix zu tun und wir hängen unseren Gedanken nach und beobachten Sonnenuntergang und den Mond, der gross und rund über dem Horizont aufgeht.  Mit unserer Universal-Matratze, die wir einst für unseren VW-Bus angefertigt haben, lag es sich auch recht bequem im windgeschützten Bereich unter der Sprayhood.
Selbstverständlich hat Christoph seine Zeit nicht so gut genutzt zum Schlafen. Alles zu aufregend. Ausserdem war auch recht viel Geklapper an Bord, zudem schlugen die Aussentaue immer an die Bordwand. Nächstes Mal: Hochbinden. Die Kinder hats nicht gestört. Sie lagen diesmal längs in ihrer Koje in Lee, Kopf an Kopf, weil das Schiff so krängte.
Um 7 Uhr waren wir alle wieder auf den Beinen - der Tag empfing uns grau und bewölkt.

Gegen 21:30 Uhr erreichten wir dann Ijmuiden in den Niederlanden, am Anfang des Kanals nach Amsterdam. Leider war es bis nach Amsterdam noch ein paar Seemeilen weiter rein und es war schon so spät. Eine recht abgelegene Marina, flankiert von breiten Sandstränden. Von Wasser bot sich auch ein groteskes Bild: lauter kleine Reihenferienhäuschen in zwei graden Linien und dahinter dicke Industrieanlagen einer Raffinerie mit feuerspeienden Schloten.
Wir legten wieder einen Hafentag ein. Abends sahen wir das erste Deutschland-WM-Spiel. Gegen Portugal. 4:0. Währenddessen tobten die Kinder moderat mit einem Schaumstofffussball, den sie in der Bar gefunden hatten.
Leider musste ich entdecken, dass aus unserem Herd Petroleum ausgelaufen ist (ein Knopf war nicht ganz zugedreht). So konnte ich traurigen Herzens unsere 3 Kilo "Prachtexemplar-Äpfel", 3 Kilo Kartoffeln, 3 Kilo Zwiebeln und Möhren entsorgen, die ich in den Schapps darunter verstaut hatte. Alles petroleumverseucht, so ein Jammer! Und das, wo mich dieser Petroleum-Geruch sowieso schon ganz kirre macht. Immer beim Anmachen des Herdes muss man erst 2 min Spiritus verbrennen, damit der Brenner auf Betriebstemperatur kommt. Und dann schnell das Feuerzeug ran und aufdrehen. Und das stinkt einfach, mal abgesehen davon, dass ich sowieso schon gewisse Unsicherheiten hege mit dem Kochen auf offener Flamme (also Lagerfeuer wäre noch ok., aber so ein Gerät?) Aber wir werden noch dicke Freunde, der Herd und ich - ich bin mir sicher. :)
Dann heisst es jetzt, neue Gelegenheit abwarten zum Einkaufen und besser verstauen.


9. Ijmuiden - Maassluise (Hoek von Holland - Einfahrt Rotterdam)
"Rotterdam - wo ist der Hafen?"

Der Wind meint es wieder gut mit uns. Mit 4 Windstärken aus Nordwest segeln wir entspannt Richtung Rotterdam.
Die Einfahrt von Rotterdam auf unserem Übersegler sieht easypeasy aus. Kurz vorher noch ein Blick ins Hafenhandbuch - Oh! Wo ist denn hier der Yachthafen??? Kritik am Skipper wird laut. Der streitet jede Schuld ab. Mit der Ausrede eines leichten Motorschadens dürfen wir uns jedoch an einem Motorboot unmittelbar vor einer Schleuseneinfahrt festmachen. Vorteil: keine Hafengebühr. Und gleich dahinter ein schönes kleines Städtchen mit Grachten und niederländischem Charme. Die Kinder bekommen ein Eis als Belohnung für ihr Liebsein tagsüber.


10. Maassluise - Oostende
"Unser erstes Grundstück"

Schon wieder Flaggenwechsel - von niederländisch zu belgisch. Und noch eine angeschmeckte Katastrophe: Grundberührung! Hatten den Wegpunkt zu nachlässig gesetzt, also die Markierung im Kartenplotter (=GPS), die wir als Nächstes ansteuern wollten - übrigens ein sehr komfortables Gerät. Auf einmal zeigte das Echolot 3m Wassertiefe an (ca. 8 Seemeilen von der Küste entfernt) und das bei einer ca. 1-2 m Welle. Halleluja! Einmal setzten wir auf, als uns eine Welle wieder runter schob. Mit grösster Anspannung steuerten wir schnellstens wieder aus dieser Untiefe heraus. Gleich in die Bilge geschaut - kein Wasser drin, zum Glück! Nicht auszudenken, wie das hätte enden können.

Für die Kinder gibt es immer ein "Anlege-Haribo", wenn sie brav auf ihren Plätzen bleiben, während wir drei Grossen hochkonzentriert einen neuen Hafen erobern. Der natürlich auch immer eingefordert wird. Allerdings auch bei Tilda oft ein "Anlege-AA" - super! Heisst, schnell noch den Topf durchreichen, die Dame ausplünnen und plazieren.

Oostende erscheint mir schön vom Wasser aus. Hohe Häuser, direkt an der Küste. Eine richtige Stadt, da ist also was los. Wir finden gleich einen schönen Hafen, den Royal North Sea Club. Und freuen uns aufs Ausschlafen. Nüschte! Um 6:30 Uhr klopft der Havenmeester an die Reeling. Und verscheucht uns und unseren Nachbarn von unserem Platz, da um 7 Uhr dort Bauarbeiten beginnen sollen. Halbverschlafen peilen wir unsere Lage und den neuen zugewiesenen Platz mit einer Muringtonne. Damit haben wir ja noch nicht so viel Erfahrung...aber kein Problem. Andreas steuert, Christoph hängt sich im richtigen Moment weit über die Reeling und fädelt den Festmacher durch die Öse und ich springe an Land mit der Luv-Leine und halte den Bug ab. Alles geklappt, wir kriechen wieder in unsere Kojen. Die Kinder schlafen noch...